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Staatsbibliothek, Unter den Linden

Grundinstandsetzung und Erweiterungsbau mit zentralem Lesesaal

Portal unter den LindenPortal unter den Linden Quelle: 4© BBR/ Foto: Projektleitung

Nutzung / NutzerStaatsbibliothek zu Berlin, Stiftung Preußischer Kulturbesitz
AdresseUnter den Linden 8, 10117 Berlin
ArchitektProf. HG Merz /BAL
ProjektleitungBundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat IV 3
Gesamtkosten*rund 470 Millionen Euro
(inklusive Baupreissteigerung gemäß Index, ohne Ersteinrichtung)
Wettbewerb und Ergebnisseanonymer Realisierungswettbewerb nach GATS - weitem Bewerbungsverfahren
Baubeginn2005 - 1. Bauabschnitt
2009 und 2012 - 2. Bauabschnitt (der zweite Bauabschnitt besteht aus drei Teilen)
Fertigstellung

2011 - 1.Teil 1.Bauabschnitt
2012 - 2.Teil 1.Bauabschnitt
2014 - 1.Teil 2.Bauabschnitt
2016 - 2.Teil 2.Bauabschnitt

2018 - 3. Teil 2. Bauabschnitt
2019 - Inbetriebnahme

Bruttogrundflächerund 107.000 Quadratmeter
Nutzflächerund 52.000 Quadratmeter

*inklusive Prognose für das noch verbleibende Restrisiko

Das Gebäude der Staatsbibliothek Unter den Linden ist das Stammhaus der größten wissenschaftlichen Universalbibliothek im deutschsprachigen Raum und gehört zweifellos zu den bedeutendsten Bibliotheksbauten weltweit. Es ist mit einer Grundfläche von 107 x 170 Metern und einer Bruttogeschossfläche von mehr als 100.000 Quadratmetern zudem eines der größten Gebäude Berlins.

1903 bis 1914 nach den Plänen des kaiserlichen Hofbaumeisters Ernst von Ihne errichtet, ist es einer der letzten wilhelminischen Repräsentationsbauten überhaupt. Ähnlich wie im Bodemuseum (ebenfalls Ernst von Ihne) ist das Gebäude als Inszenierung von sich fortlaufend in Ihrer repräsentativen Wirkung steigernden Räumen konzipiert, seinen Höhepunkt findend im Allgemeinen Lesesaal, in einem der damals größten Kuppelbauten Berlins. Hinter der monumentalen neobarocken Fassade verbirgt sich ein seinerzeit technisch hochwertiger, fast innovativer Bau, dessen Magazingeschosse beispielsweise komplett als Stahlbau ausgeführt sind, mit eingehängten Zement-Blechplatten als Geschossdecken (Lipman – Regalsystem), der neben der Last der Bücher auch Fassade und Dach trägt.

Das Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, insbesondere der zentrale Lesesaal mit einer imposanten, reich verzierten Kuppel fiel der Zerstörung zum Opfer. Die Kriegsschäden sind bis zur aktuellen Grundinstandsetzung nur unzureichend beseitigt worden, das Gebäude war in seiner Funktion nicht zuletzt durch den Verlust seines architektonischen Zentrums eingeschränkt. Zu den seit 1992 bereits durchgeführten Baumaßnahmen zählen die Sanierung der Dächer, die Ersatzgründung durch Betonpfähle anstelle der rund 2700 Holzpfähle und die Sanierung verschiedener Teilbereiche im Bestandsbau.

Nach der Zusammenführung der in der Zeit des Kalten Krieges getrennten Bestände im Jahre 1990 entwickelte die Staatsbibliothek ein neues Nutzungskonzept, in dem das Gebäude Unter den Linden neben dem Standort in der Potsdamer Straße und einem neuen Magazinbau in Friedrichshagen eine zentrale Rolle einnimmt. Zu dessen Realisierung gehören die ohnehin erforderliche Grundinstandsetzung und die Erweiterung des Gebäudes um einen neuen Allgemeinen Lesesaal, einen Raritätenlesesaales, neuer Tresormagazine und ein kleines Bibliotheksmuseum.

Der im Wettbewerb im Jahre 2000 siegreiche Entwurf des Architekten HG Merz lässt die zentrale Erschließungsachse Ernst von Ihnes wieder entstehen. Der neue Allgemeine Lesesaal bildet dabei in eigener Formensprache den Endpunkt einer Folge historischer Räume, die alle ihre ursprünglichen Volumina zurückerhalten. Er bildet wie einst der frühere Kuppellesesaal den Höhepunkt des inszenierten Weges zum Buch.   

Nach einer umfangreichen Planungsphase wurde 2005 mit den Bauarbeiten begonnen. Die gesamte Maßnahme findet bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, unterteilt in zwei Bauabschnitte: Der erste Bauabschnitt umfasste die Grundinstandsetzung der nördlichen Hälfte des Gebäudes und den Erweiterungsbau für den neuen Allgemeinen Lesesaal, den Rara-Lesesaal und andere Neubauten. 2006 wurde dafür der Grundstein gelegt, 2008 konnte das Richtfest gefeiert werden. Im März 2011 erfolgte die Übergabe des sanierten Altbauteils dieses Bauabschnitts und der neu errichteten Tresormagazine an die Staatsbibliothek. Der Neubau mit den neuen Lesesälen folgte mit einer feierlichen Schlüsselübergabe im Dezember 2012. Nach dem anschließenden Einzug der Staatsbibliothek mit einem ersten großen Teil ihrer Bücher in sanierte Magazine und die zwei neu errichteten Lesesäle wurde das Haus im März 2013 für den Publikumsverkehr eröffnet.  

Im zweiten Bauabschnitt wurde und wird die südliche Hälfte des Gebäudekomplexes instandgesetzt und modernisiert. Hauptbestandteile sind fünf Sonderlesesäle, Generaldirektion und Verwaltungsbereich und das Bibliotheksmuseum. Eine besondere Herausforderung ist die zentrale Treppenhalle mit ihrem neuen Tonnengewölbe und die Sanierung der Tragkonstruktion für die vier Magazingeschosse darüber; weiterhin die Instandsetzung des anschließenden Vestibüls mit seiner neu zu gestaltenden Kuppel. Ein erster Höhepunkt des zweiten Bauabschnitts war die Wiedereinrichtung der Kuppel über dem Hauptzugang Unter den Linden, für die im Juli 2013 Richtfest gefeiert wurde. Im September 2014 wurde der Gebäudeteil der Akademie der Wissenschaften fertig gestellt und übergeben. Ein großer Teil des zweiten Bauabschnittes wurde Anfang 2017 übergeben, die Fertigstellung der restlichen Gebäudeteile ist für 2018 geplant. Danach wird das Haus rund 650 Benutzerarbeitsplätze und über 50.000 Quadratmeter Hauptnutzfläche fassen.

Nicht nur der Neubau des zentralen Lesesaals sondern auch der instandgesetzte Altbau muss zur Inbetriebnahme den heutigen hohen Anforderungen an zeitgemäße technische Ausstattung, Sicherheit und Brandschutz genügen. Diese komplexen Anforderungen bei laufendem Bibliotheksbetrieb in einem 100 Jahre alten, denkmalgeschützten Bau zu realisieren, der ein größeres Volumen als der Reichstag hat, birgt zahlreiche Risiken und Unwägbarkeiten bei Kosten- und Terminplanung.

Weiterführende Informationen zur Grundinstandsetzung

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