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Kunst am Bau Wettbewerbsergebnisse

Die Staatsbibliothek zu Berlin Haus Unter den Linden wurde in den Jahren von 1903-14 als neobarocker Bau nach den Plänen von Ernst von Ihne erbaut. Im 2. Weltkrieg erlitt das Gebäude starke Kriegsschäden. Das Zentrum des Gebäudes bildete der Kuppellesesaal, der in den 1970er Jahren abgerissen und später durch vier Büchertürme ersetzt wurde.
Im Jahr 1999 wurde vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung ein Wettbewerb zur Wiederherstellung des Gebäudes durchgeführt. Nach den Plänen des 1. Preisträgers, H. G. Merz, wird die historische inszenierte Raumfolge mit dem Höhepunkt des zentralen Lesesaals in zeitgenössischer Sprache wiederhergestellt und das Haus erhält seine Mitte zurück. Unter Berücksichtigung der neuen Nutzungszusammenhänge und Belange des Denkmalschutzes wird der Altbau wieder auf die ursprüngliche Organisationsstruktur und räumliche Großzügigkeit zurückgeführt. Insbesondere gilt dies für die öffentliche Erschließungssystematik der Bestandslesesäle, in denen die einzelnen Sonderabteilungen untergebracht sind, die über großzügige Wandelhallen erschlossen werden.

Der Kunst-am-Bau-Wettbewerb
Im Juni 2009 wurde für die Staatsbibliothek zu Berlin Haus Unter den Linden ein zweiphasiger anonymer Kunst-am-Bau-Wettbewerb als Einladungsverfahren ausgelobt. In der 1. Phase reichten 15 Künstlerinnen und Künstler einen Wettbewerbsbeitrag ein. Die Jury wählte von 5 Künstlern Arbeiten zur vertiefenden Ausarbeitung für die 2. Phase aus.

Die Wettbewerbsaufgabe:
Für künstlerische Interventionen standen folgende öffentliche Bereiche der Staatsbibliothek zur Verfügung: Lindenhalle, Ehrenhof, Treppenhalle, Foyer-/Garderobenbereich, Bibliotheksmuseum, Rotunde, Cafeteria/Bibliotheksshop, Innenhöfe zur Cafeteria und Kantine, Vestibül, Zentrales Foyer/Buchausgabe/Lounge, Raralesesaal, großer Lesesaal, Lesesäle, Wandelgänge zu den Lesesälen, Veranstaltungssäle.
Die Künstler konnten ein künstlerisches Gesamtkonzept für die Bibliothek entwickeln oder für einzelne Standorte in den öffentlichen Bereichen Entwürfe erarbeiten.

Der Auslober behielt sich vor, Entwürfe von einem oder mehreren Künstlern für unterschiedliche Standorte zu realisieren.

1. Preis: Tobias Rehberger, Frankfurt a. M.,
Mitarbeiter: M. Storandt, G. Schirrmacher, Sonderfachleute: Herr Knobling, Schwebheim
- für die Teilarbeiten U4, U5 und U8
- die Teilarbeit U1 wurde zur Realisierung empfohlen, sofern die Arbeit im Kostenrahmen zusätzlich verwirklicht werden kann

1. PreisObjekt 1 Quelle: Tobias Rehberger

1. PreisObjekt 4 Quelle: Tobias Rehberger

1. PreisObjekt 8 Quelle: Tobias Rehberger

Auszug aus der Erläuterung

Für die verschiedenen Lesesäle werden insgesamt 8 abstrakte Uhrenobjekt (U) vorgeschlagen. Die meisten der Skulpturen funktionieren nach dem Prinzip der binären Uhr.

U 1 - Zeitungslesesaal: zwei sich drehende Scheiben mit einem geometrischen Op-Art-Muster. Von der Position des Mittelpunkts kann die Uhrzeit abgelesen werden.

U 4 - Musiklesesaal: 80 Leuchtringe in drei verschiedenen Durchmessern. Die Unterbrechungen fungieren als Zeitmesser. Die Öffnungen entsprechen den Stunden-, Minuten- und Sekundenzeigern.

U 5 - Raritätenlesesaal: Auf den blau beleuchteten Feldern des karierten Leuchtreliefs ist die Uhrzeit ablesbar.

U 8 - Lesesaal Handbibliothek: Leuchtkästen "Flower" - eine Gruppe der Acrylbausteine fungiert als Datums-, eine andere als Uhrzeitanzeige.

Auszug aus dem Juryprotokoll

Das Projekt "8 Uhren in 8 Lesesälen" gewann nach lebhaften Diskussionen den ersten Preis im Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Staatsbibliothek zu Berlin Haus Unter den Linden. Der Künstler/die Künstlerin näherte sich frei und spielerisch der architektonischen Situation und vermied es dadurch, den Bezug zur Bibliothek allzu wörtlich und damit eng aufzufassen. Die Idee, in den Lesesälen kinetische Wandobjekte zu entwickeln, die jeweils als abstrakte Gebilde aber auch als Uhren funktionierten, überzeugte die Jury. Hier gelingt es auf jeweils verschiedene Weise, in den Lesesälen einen optischen Fokus zu erzeugen, der das Lesen auf lebendige Art begleitet. Formale und farbliche Bezüge zur Op Art, zur kinetischen Kunst und vergleichbaren Designtendenzen wurden hier geknüpft, um eine Balance zwischen Störung und Harmonie im Verhältnis zum Mobiliar zu etablieren. Unter Berücksichtigung der verschiedenen formalen und kinetischen Lösungen empfiehlt die Jury die Ausführung von 3 Uhrenobjekten: im Musiklesesaal, im Raralesesaal und in der Handbibliothek. Darüber hinaus gibt es den Wunsch, die Uhr im Zeitungslesesaal zu realisieren, wenn es das Gesamtbudget erlaubt.

1. Preis: Olaf Metzel, München

1. PreisQuelle: Olaf Metzel, München

Auszug aus der Erläuterung

"Fragen sollen die Grundidee des Projektes skizzieren: Einerseits Aktualität und andererseits das Bewahren - nach welchen Gesichtspunkten?" Vorgeschlagen wird eine 680 x 520 x 340 cm große Skulptur aus verformten, einseitig bedruckten Aluminiumplatten, die von der Decke des Lesesaals abgehängt wird. Das Bild eines unaufgefäumten Schreibtisches mit verschiedenen Printmedien und das "Jonglieren mit diesen Materialien soll zu einem Gesamtbild gestaltet werden."

Auszug aus dem Juryprotokoll

Das Projekt "Noch Fragen" fand eine breite Zustimmung in der Jury. Die Skulptur wurde mit einem ersten Preis ausgezeichnet und zur umgehenden Ausführung empfohlen. Das vom Künstler intendierte Jonglieren mit aufgeschlagenen Buchseiten, Zeitungen eines bestimmten Tages, Notizen etc. ergibt ein Arrangement von zerknüllten bedrucktem Papier, das frei im großen Saal schwebt. Diese facettenreiche Skulptur ergänzt und kontrastiert in ihrer Leichtigkeit die strenge Ordnung des Hauptlesesaals. Sie erzeugt durch ihre zeitgebundenen, oft banalen Texte auf den verformten "Seiten" eine beträchtliche Spannung mit dem Arbeiten der Wissenschaftler an den Lesetischen darunter. Mit Spannung wird die Belegung der "Seiten" erwartet. Der Nutzer freut sich auf die Diskussion. Die Installation muss noch mit den baulichen Gegebenheiten abgestimmt werden, leichte Modifikationen könnten nötig werden.

Weitere Teilnehmer der 2. Phase:
Gunda Förster, Berlin, Sonderfachleute: Firma Behrendt Werbetechnik
Michael Hofstetter, München, Mitarbeiter: Anna Tretter
Barbara Trautmann, Berlin, Sonderfachleute: Firma Neon-Botnar

Weitere Teilnehmer der 1. Phase:
Adib Fricke, Berlin
Rebecca Horn, Bad König
•Alfons Koller, Winnenden
Giorgio Milani, Piacenza (Italien), Mitarbeiter: Hans Peter Kleefuss, Berater: Arch. Massimo Ferrari, Matteo Milani
Via Lewandowsky, Berlin
Thomas Locher, Berlin
Karin Sander, Berlin, Mitarbeiter: Eckhard Karnauke, Berater: Andreas Hofmann
Andreas Schmid, Berlin
Gudrun Wassermann, Kiel, Mitarbeiter: Otmar Wassermann
Otto Zitko, Wien, Mitarbeiter: Zsolt Szalai, Ingeburg Wurzer, Anemona Crisan

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