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Grundinstandsetzung und Erweiterung

Portal unter den LindenPortal unter den Linden Quelle: © BBR/ Foto: Jens Andreae im Oktober 2015

Nutzungskonzept

Nach der Zusammenführung der vor der Wiedervereinigung getrennten Bestände entwickelte die Staatsbibliothek ein neues Nutzungskonzept für ihre Standorte in der Potsdamer Straße und Unter den Linden. Im Haus Unter den Linden werden seitdem überwiegend vor 1945 erschienene Publikationen, die historisch besonders wertvollen Bestände und Nachlässe sowie einige bedeutende Sammlungen aufbewahrt. Des Weiteren sind die für die Restaurierung und für die Digitalisierung von Beständen zuständigen Abteilungen der Staatsbibliothek in dem Gebäude untergebracht.

Seit Anfang des Jahres 2017 findet sich neben den bibliothekstypischen Räumen ein repräsentativer Veranstaltungsbereich, in dem die Staatsbibliothek Konzerte, Lesungen und Diskussionsrunden durchführen und der auch von externen Interessenten gemietet werden kann.

Im Erdgeschoss wird künftig ein frei zugängliches Bibliotheksmuseum fertiggestellt, in dem ein Teil der wertvollen Bestände sowie verschiedene Sonderausstellungen präsentiert werden können.

Im Einzelnen entstanden und entstehen im Rahmen der Grundinstandsetzung und Erweiterung:

  • der Allgemeine Lesesaal mit 250 Arbeitsplätzen (90 mit Standardausstattung, 140 Forscherplätze, 24 Arbeitskabinen, davon 1 Blindenarbeitsplatz, 10 Rechercheplätze) und einem Freihandbestand von 127.000 Bänden. Insgesamt umfasst dieser zentrale Bereich ca. 9.000 Quadratmeter Nutzfläche,
  • ein Sonderlesesaal für seltene Drucke (der sogenannte "Rara-Lesesaal") mit 50 Standardarbeitsplätzen und einem Freihandbestand von 30.000 Bänden auf insgesamt ca. 700 Quadratmetern Nutzfläche,
  • weitere Sonderlesesäle für einzelne Sammlungsgebiete mit insgesamt 281 Benutzerarbeitsplätzen (Handschriften-Lesesaal, Karten-Lesesaal, Musik-Lesesaal, Zeitungs-Lesesaal, Lesesaal der Kinder- und Jugendbuchsammlung),
  • insgesamt 656 Benutzerarbeitsplätze verschiedener Ausstattung mit Internetzugang über WLAN,
  • reservierbare Forscherarbeitsplätze mit zusätzlichem abschließbaren Roll-Container, für längere Zeit zu mietende Arbeitskabinen, Rechercheplätze mit PC für Internet- und Katalog-Recherche oder Mikrofiche-Lesegerät, einen Blindenarbeitsplatz mit besonderer technischer Ausstattung (PC mit Scanner, Braille-Zeile, Sprachausgabe, Vergrößerungssoftware für Monitor, Multimediakabinen mit Audio-Anlage),
  • in zwei Etagen Tresormagazine für die besonders wertvollen Bestände der Bibliothek, ausgestattet mit Kompaktregalanlagen auf 3.000 Quadratmetern Nutzfläche. In diesen Räumen werden dauerhaft besondere, für die Erhaltung der Bestände notwendige Umgebungsparameter gewährleistet (18°C , 50% Luftfeuchtigkeit, UV-freie Beleuchtung). Sie sind außerdem als besonders sichere Bergungsräume ausgeführt, die selbst den Einsturz des gesamten Gebäudes unbeschadet überstehen würden. Der Brandschutz ist in diesem Bereich durch eine moderne Gas-Löschanlage realisiert, die ohne Verwendung von Löschwasser auskommt,
  • eine Buchtransportanlage mit 17 Linear-, 4 Umlaufaufzügen und einer Gesamtlänge von 1.500 Metern,
  • Räume für die Werkstätten der Staatsbibliothek: Restaurierung, Buchbinderei, Digitalisierung, Druckerei mit insgesamt 1.500 Quadratmetern Fläche.

Architektur

Grundgerüst des historischen Gebäudes war die streng axiale öffentliche Erschließung, bestehend aus einer charakteristischen Abfolge von sich in ihrer Wirkung fortlaufend steigernden öffentlichen Räumen mit dem monumentalen Kuppellesesaal als finalem Höhepunkt. Der Entwurf von HG Merz folgt diesem Konzept und stellt mit seinem neuen Baukörper alte funktionale und gestalterische Zusammenhänge wieder her. Der Neubau des Allgemeinen Lesesaals befindet sich an der Stelle des früheren Kuppellesesaales, der neue sogenannte "Raralesesaal" an der Stelle des ursprünglichen Universitätslesesaales; das architektonische und funktionale Zentrum des Gebäudes ist damit an alter Stelle wiedererstanden. Ein massiver Sockel bildet die Verbindung zum steinernen Bestandsbau. Der Altbauteil wird unter Berücksichtigung des neuen Nutzungskonzeptes und der Belange des Denkmalschutzes wieder auf die ursprüngliche Organisationsstruktur und räumliche Großzügigkeit zurückgeführt.

Auftakt der auch künftig das Gebäude prägenden Dramaturgie repräsentativer Räume ist die Lindenhalle an der Straße Unter den Linden mit den Zugängen zur Generaldirektion und zur Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Der an die Lindenhalle anschließende Ehrenhof bildet das großräumige Bindeglied zum eigentlichen Haupteingang des Gebäudes. Die Erschließung aller öffentlich zugänglichen Lesesäle erfolgt über die Treppenhalle mit ihrem wiederhergestellten Tonnengewölbe und das daran anschließende Vestibül mit seiner neu erstellten Kuppel. Im Vestibül und damit im 1. Obergeschoß befindet sich die zentrale Zutrittskontrolle für den Besucher. Damit bleibt im Erdgeschoss ein ungehinderter Zugang zum künftigen Bibliotheksmuseum frei.

Nach dem Passieren der Kontrolle im Vestibül sind dem Besucher von hier aus über die historischen Gänge und über die repräsentativen Treppenräume seitlich der Treppenhalle die Lesesäle der Sonderabteilungen und die Rechercheplätze zugänglich. In Verlängerung des zentralen Treppenaufgangs befindet sich im nördlich anschließenden Neubau ein großzügig dimensioniertes Foyer mit zentraler Buchausgabe und Information. Auffälligstes Element dieses Raumes ist der mit rotem Teppich belegte Aufgang zum Allgemeinen Lesesaal. Der von allseitig einfallendem Tageslicht erfüllte neue Lesesaal bildet als Höhepunkt der Sequenz historischer Monumentalräume gewissermaßen das Finale des inszenierten Weges zum Buch. Im Zentrum sind die Leseplätze angeordnet, umgeben von einer Hülle aus Regalwänden mit Freihandbeständen. Auch dieses Gestaltungsprinzip entstammt dem Konzept des Bestandsgebäudes und findet sich etwas weniger opulent ebenso in allen Sonderlesesälen wieder. Im Allgemeinen Lesesaal erhebt sich über den Regalen der Lichtkörper aus weißer Textilbespannung als zeitgemäß gestalteter architektonischer Höhepunkt an der Stelle der einstigen monumentalen steinernen Kuppel.

Allgemeiner LesesaalAllgemeiner Lesesaal Quelle: © BBR/Foto: Projektleitung, 2013

Gegenüber dem historischen Saalniveau wurde der Allgemeine Lesesaal um ein Geschoss angehoben, um vom Foyer aus auch den dahinterliegenden sogenannten "Raralesesaal" zu erschließen. Letzterer bildet heute den Abschluss der Erschließungsachse. Der "Raralesesaal" ist einer der reizvollsten Räume des Gebäudes, da hier erhaltene Gestaltungselemente des früheren Lesesaals der Universitätsbibliothek in den ansonsten völlig neu gebauten Raum integriert werden konnten. Auch dieser Saal ist gegenüber seinem historischen Vorgänger um ein Geschoss angehoben worden. Damit ist im Erdgeschoss Raum für das künftige Bibliotheksmuseum und für besondere Anlässe die Möglichkeit eines weiteren Zugangs von der Dorotheenstraße aus geschaffen worden.

Denkmalschutz

Das Gebäude der Staatsbibliothek ist sowohl ein Einzeldenkmal als auch Bestandteil des Denkmalensembles Unter den Linden. Der Ehrenhof mit seiner aus den 1920er Jahren stammenden eindrucksvollen Weinberankung ist zudem ein Gartendenkmal.

Bei der Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek ist der denkmalgerechte Umgang mit der historischen Bausubstanz deshalb ein zentrales Thema. Neben der weitgehenden Erhaltung der noch vorhandenen Bausubstanz wird ein weiterer Schwerpunkt darauf gelegt, das räumliche Konzept des Bestandsbaus wieder erlebbar zu machen. Das betrifft insbesondere die Wiederherstellung der zentralen Erschließungsachse mit ihren repräsentativen öffentlichen Räumen, insbesondere aber auch die Anfang des Jahres 2017 übergebenen Räume der Generaldirektion und des Veranstaltungsbereiches.

Farbgebung und Interieur der repräsentativen Lesesäle, Veranstaltungsräume und der Räume der Generaldirektion wurden teils nach vorhandenen Befunden rekonstruiert, teils mit Hilfe von Fotos nachempfunden oder aber als erkennbar neu und heutig ergänzt. Ein signifikantes Beispiel ist der Ersatz für die verlorene historische Decke des großen Veranstaltungssaales. Hierfür wurde vom Architekturbüro HG Merz eine Decke aus kissenförmigen lichtdurchlässigen Elementen entworfen, welche eine besonders reizvolle räumliche Struktur bildet und ganz spezielle Beleuchtungseffekte erlaubt. Hergestellt wurde diese Sonderanfertigung aus Kunstharz von der Firma FLZ mit Sitz auf der Insel Rügen.

Ein weiterer denkmalpflegerischer Schwerpunkt besteht in der Erhaltung und Instandsetzung des nach seinem Erfinder Robert Lipman benannten Regalsystems der historischen Magazine. Dieses Stahlregalsystem erstreckt sich teilweise über acht Geschosse und trägt neben Regalböden und Büchern auch die Geschossdecken, Teile der Fassaden und das Dach.

LipmanregalsystemLipmanregalsystem Quelle: Foto: Florian Profitlich

Wiederhergestellt wurde insbesondere die Kuppel Unter den Linden, die auch städtebaulich von besonderer Bedeutung ist. Weiterhin wird das Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle in seinen historischen Abmessungen wieder entstehen, allerdings mit neu gestalteter Oberflächenstruktur. Ebenso wird das Hauptfoyer in Anlehnung an die historische Raumkubatur wieder von einer Kuppel überwölbt sein, deren Geometrie allerdings vom Original abweichen wird (Siehe Abschnitt zum Bauen im Bestand). Der erhaltene Majolikaring am Oberlicht im Zenit der Kuppel wird denkmalgerecht saniert und die Gestaltung eines neuen Gewölbes integriert.

Die Sonderlesesäle erhalten zum größten Teil neu gestaltete Einbauten, die jedoch dem aus der Erbauungszeit stammenden Prinzip der umlaufenden Regale und Holzvertäfelungen folgen. Auf die Möbel und Einbauten aus den frühen 1970er-Jahren, die in zwei der historischen Lesesäle mit durchaus gestalterischen Qualitäten, jedoch ohne Zusammenhang zum restlichen Gebäude, installiert worden waren, wird zugunsten der Wiederherstellung eines einheitlichen Erscheinungsbildes der Sonderlesesäle in Abstimmung mit der Denkmalpflege verzichtet. Die dort zugemauerten Rundbögen der Fenster werden im Sinne eines einheitlichen Fassadenbildes wieder hergestellt.

Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes bleibt (abgesehen von der Kuppel Unter den Linden) weitestgehend unverändert, dennoch müssen alle Straßenfassaden instandgesetzt werden. Die Hoffassaden aus weißem Klinker und die Lindenhalle werden ebenfalls erneuert und an vielen Stellen aufwändig ergänzt.

Der Ehrenhof am Haupteingang Unter den Linden wird nach historischem Vorbild wiederhergestellt, unter Einbeziehung der Plastik „Lesender Arbeiter“ von Werner Stötzer und des gegenüberliegenden Reliefs mit dem gleichnamigen Gedicht von Bertolt Brecht.

Brandschutz

Den heutigen Anforderungen an den baulichen Brandschutz konnte der wilhelminische Bestandsbau bei Weitem nicht genügen. Um das Gebäude dennoch sicher betreiben zu können, ist von einem auf Brandschutz spezialisierten Planungs- und Sachverständigenbüro ein detailliertes Konzept für einen erheblich verbesserten baulichen Brandschutz erstellt worden, welches auf die Eigenart der einzelnen Räume und Raumbereiche des Bestandsbaus reagiert.

Insbesondere in den denkmalgeschützten Lipmanmagazinen wird nun durch eine Vielzahl von einzelnen Maßnahmen ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet. Insbesondere die Früherkennung von Bränden durch die Brandmeldeanlage, die Möglichkeit der selbstständigen Brandbekämpfung durch Bibliotheksmitarbeiter mittels der überall verfügbaren Feuerlöscher und die kurzzeitige direkte Alarmierung der Feuerwehr sind hier entscheidende Maßnahmen. Dort, wo es baulich möglich ist, werden bestehende Wände feuerbeständig ertüchtigt und damit sogenannte Brandbekämpfungsabschnitte gebildet. Bestandsfenster wurden zur automatischen Entrauchung nachgerüstet und Fenster in Gebäudeecken zur Vermeidung eines Brandüberschlages feuerbeständig ausgebildet.

Der fertiggestellte Neubau wurde gemäß heutigen Brandschutznormen geplant und gebaut. Eine Besonderheit bildet hier die in den Tresormagazinen eingebaute Gaslöschanlage. Automatische Sprinkleranlagen, wie sie in anderen großen Gebäuden regelmäßig eingebaut werden, finden im Gebäude der Staatsbibliothek keine Anwendung, da für wertvolle Buchbestände mögliche Schäden durch Wasser weit verheerender sind als Brandschäden.

Die besondere Schwierigkeit brandschutzrelevanter Anlagen in großen Gebäudekomplexen wie der Staatsbibliothek besteht in deren Komplexität. Viele der verschiedenen Versorgungsleitungen des Gebäudes, insbesondere Lüftungskanäle, verlaufen durch mehrere Gebäudeteile und durchdringen dabei auch an sich baulich weitgehend getrennte Brandabschnitte. Um eine Brandausbreitung von vornherein zu verhindern, gibt es daher in den Lüftungskanälen hunderte von Brandschutzklappen, die im Brandfall, abhängig davon, wo genau es im Gebäude brennt, sich entweder automatisch schließen oder aber, falls der Kanal zum Absaugen von Rauch benötigt wird, sich öffnen. Das Öffnen oder Schließen von Klappen wird durch automatische Brandmelder ausgelöst, die überall im Gebäude verteilt sind. Je nachdem, in welchem Raum ein Brandmelder Alarm auslöst, schließen oder öffnen sich Klappen, werden Ventilatoren in Betrieb gesetzt oder öffnen sich Türen oder Fenster, um anstelle des abgesaugten Rauches Luft nachströmen zu lassen. Allein für den Neubau mit dem Allgemeinen Lesesaal gibt es dafür etwa 1500 verschiedene Szenarien, auf die die komplexe Steuerung der Anlagen reagieren kann.

Technische Gebäudeausstattung

Sämtliche Lesesäle und Magazine werden klimatisiert. Insbesondere in den Tresormagazinen werden die für beste Bedingungen zur Erhaltung wertvoller Bestände notwendigen Klimawerte mit minimalen Schwankungen von Temperatur und Luftfeuchte aufrechterhalten. Für einzelne Räume der Restaurierungswerkstätten werden darüber hinaus besondere Klimawerte erzeugt.

Um in dem Glaskubus des Allgemeinen Lesesaals ein stabiles und angenehmes Klima zu erreichen, wurde im Zuge der Planung eine rechnergestützte Klimasimulation durchgeführt. Diese Simulation war eine wesentliche Grundlage für die Planung des gesamten Baukörpers und seiner technischen Gebäudeausstattung. Im Ergebnis werden trotz der großen Raumhöhe und des Treibhauseffektes des Glaskubus an jedem Arbeitsplatz die geforderten angenehmen Arbeitsbedingungen garantiert. Durch Lichtsensoren gesteuerte Rollos regulieren das einfallende Tageslicht und tragen zur Balance zwischen einer für angenehme Raumtemperaturen erforderlichen Beschränkung des Energieeintrags und einem möglichst hohen Tageslichteinfall für eine natürliche Beleuchtung bei.

Im Altbau besteht die größte Herausforderung der Klimatisierung in der Integration der Lüftungskanäle in den denkmalgeschützten Bestand, insbesondere in den weniger als 2,20 Meter hohen Lipmanmagazinen.

Neben der Klimatechnik ist die Buchtransportanlage eine der komplexeren technischen Anlagen, insgesamt etwa 1,5 Kilometer lang, durch 17 Aufzüge mit allen Geschossen verbunden. Auch hier ist die Vereinbarkeit mit den Belangen des Denkmalschutzes und denen des Brandschutzes eine außergewöhnliche Aufgabe.

Bauen im Bestand bei laufendem Betrieb -
Besonderheiten und Unvorhergesehenes

Nicht nur der Neubau des zentralen Lesesaals sondern auch der instandgesetzte Altbau muss den heutigen hohen Anforderungen an zeitgemäße technische Ausstattung, Sicherheit und Brandschutz genügen. Dabei ist Bauen im Bestand grundsätzlich geprägt vom Risiko des Unvorhersehbaren, des überraschenden Befundes. Keine noch so sorgfältige Voruntersuchung kann mit letzter Sicherheit den genauen, tatsächlich erforderlichen Umfang der Baumaßnahmen vorhersehen.

Auch bei der Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek hat es seit Baubeginn immer wieder solche Überraschungen gegeben, die einige vorher nicht absehbare Maßnahmen erforderlich werden ließen: So wurde zum Beispiel entdeckt, dass vermeintlich massive historische Wände der Gründerzeit in Wirklichkeit große Hohlräume bargen – offenbar eine Materialsparmaßnahme der Erbauungszeit. Ebenso stellten sich die Klinkerfassaden in den Höfen als weitaus sanierungsbedürftiger heraus als zuvor erkennbar.

Unvermutete Hohlräume

Während der Sanierung der Innenseiten der Außenwände wurde festgestellt, dass diese Mauerwerkswände nicht durchgängig massiv ausgeführt waren, sondern aus einer tragenden Wand und einer innenseitig mit einem Abstand zu dieser tragenden Wand vorgesetzten zweiten Wand bestand. Innenseitig sind solche Vorsatzschalen weder bauphysikalisch noch aus sonstigen denkbaren Gründen sinnvoll und weder die planenden Architekten noch der Bauherr konnten mit dieser Besonderheit rechnen.

Da die Planer von durchgängig massiv gemauerten Wänden ausgehen mussten, war mit dieser Entdeckung jede statische Berechnung dieser Wände hinfällig und die Art des Einbindens der durch diese Wände getragenen Decken musste komplett umgeplant werden. Der Hohlraum wurde dort, wo es die Statik erforderte, mit Beton und dort, wo dies nicht notwendig war, mit einer Wärmedämmung verfüllt. Die Vormauerschale selbst musste teils gesichert (1220), teils verstärkt (600) und teils erneuert (750) werden.

Insgesamt führte der in diesem Zusammenhang zusätzlich erforderliche Aufwand zu Mehrkosten von etwa 900.000 Euro. Diese Kosten konnten innerhalb des Budgets kompensiert werden.

Weitere Hohlräume traten in Wänden des zweiten Bauabschnittes zu Tage und führten aus Gründen des Brandschutzes oder der Standsicherheit zu zusätzlichen Baumaßnahmen.

Bestandswand, nach Entkernung sichtbares Schadensbild  Bestandswand, nach Entkernung sichtbares Schadensbild Quelle: © BBR/ Foto: Projektleitung

Nachkriegsreparaturen

Im ersten Bauabschnitt sind im Laufe der Sanierungsarbeiten an den Fassaden massive Beschädigungen der Fensterstürze festgestellt worden, die vorher nicht erkennbar waren. Eine umfassende Bestandserfassung wurde erforderlich und anschließend der Austausch eines großen Teils der Bestandsstürze.

Später sind im Ehrenhof Gesimsteile vorgefunden worden, die infolge früherer Reparaturen von Kriegsschäden nicht wie sonst im Gebäude üblich aus Sandstein, sondern aus Stahlbetonteilen mit einbetonierten Stahlträgern bestanden. Solche Reparaturen von Kriegsschäden erfolgten meist in der unmittelbaren Nachkriegszeit im Rahmen der damaligen begrenzten Möglichkeiten und sind oft gar nicht oder nicht vollständig dokumentiert und deshalb zum Zeitpunkt der Planung nicht bekannt. Die hier vorgefundenen Stahlträger waren zum Teil korrodiert, zum Teil waren Schäden durch den Einbau neuzeitlicher Bauteile in die ursprüngliche Konstruktion entstanden, etwa durch das gegenüber der Ursprungskonstruktion größere Eigengewicht oder durch unterschiedliche Wärmeausdehnung der verschiedenen Materialien.

Der notwendige Austausch von Fensterstürzen in großer Zahl und das Ersetzen der schadhaften Gesimsteile aus Stahlbeton durch Bauteile, die der ursprünglichen Konstruktion entsprechen, stellt einen erheblichen zusätzlichen Aufwand dar. Die zusätzlichen Kosten konnten aber auch hier bislang innerhalb des Budgets gedeckt werden.

Versteckte Korrosion

Auf der Grundlage von Untersuchungen im Vorfeld der Sanierungsmaßnahmen waren im Jahre 2003 in den repräsentativen Treppenhäusern des Bestandsgebäudes lediglich neue Befestigungen des denkmalgeschützten Geländers geplant. Das Geländer selbst war augenscheinlich in gutem Zustand. Zu Beginn der Arbeiten zeigte sich jedoch, dass die intakt scheinenden Messingbaluster im Inneren ein verheerendes Bild boten. Die Stahlstäbe im Inneren waren so stark korrodiert, dass eine Standsicherheit nicht mehr gewährleistet war. Der Schaden war von außen nicht sichtbar, da infolge von Kontaktkorrosion lediglich das weniger edle Metall im Inneren angegriffen war. Die infolgedessen nun notwendige Sanierung und der Nachbau etwa der Hälfte der über 1000 Baluster verursachen zusätzliche Kosten und einen erheblichen Zeitaufwand.

korrodierter Kern in Balustern der Bestandsgeländerkorrodierter Kern in Balustern der Bestandsgeländer Quelle: BBR, Fotos: BBR

Versteckte Schäden am Tragwerk

Es gehört zu den Besonderheiten des Hauses Unter den Linden, dass es bereits während seiner Erbauungszeit zwischen 1903 und 1914 wieder umgebaut und erweitert wurde, beispielsweise über dem Tonnengewölbe der zentralen Treppenhalle. Dort sind vier Geschosse mit zusätzlichen Magazinen errichtet worden, deren gewaltige Lasten von großen Stahlfachwerkträgern hoch über der Haupttreppe abgefangen wurden. Diese Träger konnten erst Ende 2013 nach Entkernung und Reinigung umfänglich begutachtet werden. Dabei sind erhebliche Schäden festgestellt worden, die auf unzureichende Standsicherheit schließen ließen. Da die denkmalgeschützten Magazingeschosse an Ort und Stelle zu erhalten waren, musste die Gesamtkonstruktion komplett ausgetauscht werden. Hierzu sind die Einzelteile des neuen Tragwerks aufwändig durch Öffnungen in der Außenwand eingefädelt und vor Ort zu neuen Fachwerkträgern verschraubt worden. Die provisorisch durch Hilfskonstruktionen gehaltenen Magazingeschosse wurden danach schrittweise auf die neuen Träger montiert.

Die nötige Umplanung der Sanierung in diesem Bereich und die vielen kleinteiligen, aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte führten zu etwa 15 Monaten zusätzlicher Bauzeit und entsprechender Verschiebung der nachfolgenden Arbeiten. Insbesondere diese erhebliche Bauzeitverlängerung erforderte eine Fortschreibung der Terminplanung und des Budgets.

gerissener Fachwerkträgergerissener Fachwerkträger Quelle: BBR, Fotos: CRP

Setzungen und Verformungen

Von der einst etwa 20 Meter hohen Kuppel im Vestibül sind aus der Entstehungszeit nur die zwei sich kreuzenden Stahlbetonbögen übrig geblieben, die die ursprüngliche Kuppelschale einmal getragen haben. Dem architektonischen Konzept folgend war die Wiederherstellung der Kuppel in ihrer ursprünglichen Geometrie direkt unter diesen, heute denkmalgeschützten Stahlbetonbögen geplant. Dass die Bausubstanz dieser lange hinter der Flachdecke aus der Nachkriegszeit verborgenen Bögen sich als dringend sanierungsbedürftig erwies, überraschte nicht. Allerdings ergab die genaue Vermessung im Vorfeld der Detailplanung der zu rekonstruierenden Kuppelschale, dass sich die scheinbar nie in ihrer Lage veränderte Betonkonstruktion etwas verformt und um einige Zentimeter gesenkt hatte, möglicherweise eine Folge von Kriegszerstörung und Abriss des früher benachbarten Kuppellesesaales. Eine Kuppel in der ursprünglichen Geometrie war hier nicht mehr integrierbar und umfangreiche Neuplanungen wurden erforderlich.

Mehraufwand und zusätzliche Kosten entstehen bei solchen Umplanungen vor allem infolge der zeitlichen Verzögerung, aus der den beteiligten Firmen zu vergütende Mehraufwendungen entstehen.

Vestibül und Treppenhalle (Längsschnitt)Vestibül und Treppenhalle (Längsschnitt) Quelle: BBR, Fotos: BBR

Neue Lasten auf altem Gemäuer

Die sich kreuzenden Betonbögen, die einst die Kuppelschale über dem Vestibül getragen haben, müssen als Teil der denkmalgeschützten Substanz erhalten werden, auch wenn sie infolge ihres Zustandes keine Lasten mehr abtragen können; sie werden deshalb von der neu zu errichtenden Dachkonstruktion abgehängt. Da unter anderem deshalb die Lasten aus diesem Dach für das Bestandsmauerwerk zu hoch sind, wurden zwei 22 Meter lange, später ausbetonierte Stahlrohrstützen (sogenannte Geilingerstützen) in das Bestandsmauerwerk eingebracht. Dazu mussten entsprechend lange, genau senkrecht verlaufende Bohrungen in zum Teil sehr heterogenem Bestandsmaterial hergestellt werden, eine bautechnische Besonderheit, die in dieser Größenordnung einmalig sein dürfte. Da die genaue Zusammensetzung des Bestandsmauerwerks nicht vorhersagbar war und unterschiedlich harte Materialien jederzeit den Bohrer "aus dem Lot" bringen konnten, war eine verlässliche Terminplanung hier faktisch nicht möglich. Durch großzügige Reserven in der Terminplanung konnten die Auswirkungen dieses Risikos für das Gesamtprojekt jedoch begrenzt werden.

Etappen der Großbaustelle

Der erste Bauabschnitt

Im Architekturwettbewerb zur Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek Unter den Linden wurde im Jahr 2000 der Entwurf von Professor HG Merz mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Nach einer umfangreichen Planungsphase erfolgte am 9. Mai 2005 der erste Spatenstich für den Neubau des zentralen Lesesaals. Alle Bauarbeiten finden bei laufendem Bibliotheksbetrieb statt, und sind deshalb unterteilt in zwei Bauabschnitte: Der erste Abschnitt umfasste die Grundinstandsetzung des nördlichen Gebäudeteils, unter anderem auch den Erweiterungsbau für den neuen Allgemeinen Lesesaal sowie weitere Lesesäle. 2006 wurde dafür der Grundstein gelegt, 2008 wurde das Richtfest gefeiert. Im März 2011 wurden der sanierte Altbau dieses Bauabschnitts und die neu errichteten Tresormagazine an die Staatsbibliothek übergeben. Die feierliche Schlüsselübergabe für den Neubau mit den neuen Lesesälen fand dann im Dezember 2012 statt.

Baustelle des neuen Allgemeinen Lesesaals im Juni 2007Baustelle des neuen Allgemeinen Lesesaals im Juni 2007 Quelle: Fotos: Florian Profitlich

RaralesesaalRaralesesaal Quelle: Fotos: Florian Profitlich

Fassade Allgemeiner LesesaalFassade Allgemeiner Lesesaal Quelle: Fotos: Florian Profitlich

Der zweite Bauabschnitt

Der zweite Bauabschnitt ist in drei Teile gegliedert, von denen bereits zwei abgeschlossen sind. Hauptbestandteile dieses Bauabschnittes sind fünf Sonderlesesäle, die Räume der Generaldirektion und des Verwaltungsbereichs sowie das Bibliotheksmuseum. Ein besonderer Höhepunkt des zweiten Bauabschnittes war die Wiedererrichtung der Kuppel über dem Haupteingang im Sommer 2013, ein auch im städtebaulichen Kontext des Ensembles Unter den Linden bedeutender Schritt. Am 10.07.2013 wurde hier Richtfest gefeiert. Bereits übergeben wurden im September 2014 die Räume der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften im Gebäudeteil an der Ecke Universitätsstraße/Unter den Linden. Die Akademie der Wissenschaften ist seit der Erbauungszeit Mieter des Hauses. Im Januar 2017 wurden weitere Bereiche, unter anderem die Veranstaltungssäle und die Räume der Generaldirektion, übergeben.

Insgesamt werden im zweiten Bauabschnitt auf rund 20.000 Quadratmetern Nutzfläche Böden, Wände und Decken erneuert, 15.000 Quadratmeter Fassaden instandgesetzt, 6.000 Quadratmeter Dachfläche neu aufgebaut und eine komplett neue Haustechnik, insbesondere Klima-, Lüftungs- und Brandschutztechnik, in den Bestand integriert. Der zweite Bauabschnitt umfasst die Sanierung der gesamten südlichen Hälfte des Gebäudekomplexes und damit etwa 2/3 seines Altbaubestandes.

Zentraler Bestandteil der weiteren Grundinstandsetzung ist die Wiederbelebung der für das Gebäude charakteristischen Erschließungsachse: die offene Eingangshalle Unter den Linden, der Brunnenhof mit seinem berühmten Weinbewuchs, der trotz laufender Fassadensanierung erhalten wird, die zentrale Treppenhalle, die ihre ursprüngliche Kubatur zurück erhält. Die Flachdecke und die zwei Magazingeschosse, die in den 50er Jahren über der Haupttreppe eingebaut wurden, sind inzwischen zurückgebaut worden. Hier wird zurzeit ein in seinen Ausmaßen dem historischen Original entsprechendes Tonnengewölbe, jedoch mit neu gestalteter Oberflächenstruktur, eingebaut. Die nach Austausch der historischen Fachwerkträger darüber (siehe Abschnitt Bauen im Bestand) nun auf neuen Trägern aufgestellten vier kaiserzeitlichen Magazingeschosse werden wie alle anderen Magazinbereiche denkmalgerecht saniert, bedarfsgerecht klimatisiert und brandschutztechnisch weitgehend heutigen Anforderungen angepasst.

Das Foyer oberhalb der Haupttreppe, einst Entré des gewaltigen Kuppellesesaals und Zugang zu den Lesesälen der Fachabteilungen, wird eine weitgehend am Original orientierte Gestaltung erhalten. Die ursprünglich geplante Wiederherstellung der Kuppelgeometrie wird aufgrund von Verformungen der Bausubstanz nicht möglich sein (siehe Abschnitt Bauen im Bestand). Die Gurtbögen und der Majolikaring im Scheitel der früheren Kuppel werden allerdings instandgesetzt.

Vom Foyer aus wird der künftige Leser den Neubauteil mit dem zurzeit nur durch das provisorische Foyer erreichbaren Allgemeinen Lesesaal betreten, der dann, wie einst sein Vorgänger, architektonischer Höhepunkt am Ende der zentralen Erschließungsachse sein wird.

Modell TreppenhalleModell Treppenhalle Quelle: © BBR/ Foto: Projektleitung, 2013

Weinberankung BrunnenhofWeinberankung Brunnenhof Quelle: © BBR/ Foto: Projektleitung, BBR, 2013

Neben der zentralen Erschließungsachse und den repräsentativen Treppenhäusern sind es vor allem die Sonderlesesäle von fünf Fachabteilungen, die nach Instandsetzung und Modernisierung das Gebäude prägen werden. Als voraussichtlich letzte Baumaßnahme wird im Erdgeschoss das Bibliotheksmuseum entstehen. Darin wird die Staatsbibliothek erstmals dauerhaft einen kleinen Teil ihrer Bestände ausstellen können.

Alle im zweiten Bauabschnitt geplanten Maßnahmen erfolgen im denkmalgeschützten Bestand und sind daher hinsichtlich der Termin- und Kostenplanung eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Terminsituation

Der Ende 2011 nach dem Wechsel zweier Planungsbüros neu aufgestellte Terminplan für den ersten Bauabschnitt konnte weitgehend eingehalten werden. Die zuvor aufgetretenen Verzüge haben ihre Ursachen in einem Konglomerat aus allen bei Großprojekten, insbesondere beim Bauen im Bestand auftretenden Risiken, insbesondere jedoch in Folgendem:

  • Auftragsvergabe für die Baugrube: erhöhter Aufklärungsbedarf der Angebote und Verhandlung einer Klage vor der Vergabekammer. 
    (14 Wochen Verzug)                        
  • Erstellung des Rohbaus des neuen Lesesaals: Die sehr komplizierte Konstruktion des neuen Lesesaals führte zu Korrekturbedarf bei den ausgeschriebenen Stahlmengen und Problemen bei der Einhaltung der geforderten, außergewöhnlich niedrigen Toleranzen der Stahlbetonfertigteile.
    (38 Wochen Verzug)
  • Auftragsvergabe für die Stahl-Glas-Fassade des Lesesaales: Die Ausschreibung erfolgte nach den Vorgaben des Vergaberechts zunächst im europaweiten Offenen Verfahren. Nachdem dieses jedoch kein akzeptables Angebot brachte, war zusätzlich ein Verhandlungsverfahren erforderlich. Weitere Verzögerungen resultierten aus Problemen bei Erstellung und Prüfung der Montageplanung der einzigartigen Konstruktion der Fassade aus nachträglich verformtem Glas und aus Fertigungs- und Zulassungsproblemen.
    (70 Wochen Verzug)
  • 16 Zustimmungen im Einzelfall: Die Planung des Architekten beinhaltete eine große Zahl von Sonderkonstruktionen, für die keine allgemeinen Zulassungen existieren, und für die deshalb bei der Bauaufsichtsbehörde Zustimmungen im Einzelfall erwirkt werden mussten. Der dafür nötige Zeitaufwand war im Durchschnitt jeweils 2 Monate länger, als vom Architekten geplant. Das betrifft vor allem die Stahl-Glas-Fassade, Feuerschutzvorhänge und Feuerschutztüren, Brandschutzputz und Brandschutzanstrich, das Integrieren von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen in Altbaufenster und das Gewebe der Wand- und Deckenoberflächen im großen Lesesaal.
  • Eine nicht kurzfristig ersetzbare große Firma hatte infolge eines parallel laufenden Auftrages auf der Baustelle des neuen Berliner Flughafens Probleme, die Baustelle der Staatsbibliothek mit ausreichend Personal zu besetzen. Von den dadurch verzögerten Leistungen war der Fertigstellungstermin direkt abhängig.
    (12 Wochen Verzug)

Diese Terminverzüge des ersten Bauabschnitts wirkten sich zwangsläufig auf die Terminplanung für den zweiten Bauabschnitt aus, da hier erst nach dem Umzug in die fertig gestellten Gebäudeteile mit den Entkernungsarbeiten begonnen werden konnte. Zusätzliche Terminverzüge resultieren aus dem Wechsel zweier Planungsbüros und der jeweils erforderlichen Einarbeitungszeit sowie aus unvorhergesehenen zusätzlichen Sanierungsmaßnahmen (siehe Abschnitt Bauen im Bestand).

  • Die wohl gravierendste Störung im Bauablauf ergab sich aus dem unerwartet notwendig gewordenen Austausch der Fachwerkträger über der Treppenhalle bei Erhalt der darauf stehenden vier Magazingeschosse. Der Schaden konnte erst nach Auszug der Bibliothek und anschließender Entkernung Ende November 2013 festgestellt werden. Die notwendige zusätzliche Planung und die zusätzlichen, nur in vielen aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten durchführbaren Montagearbeiten selbst führten insgesamt zu einer erheblichen Verzögerung von rund 15 Monaten.
  • In einigen ehemaligen Installationsschächten wurde abweichend von den Ergebnissen der im genutzten Bestand durchgeführten Schadstoffuntersuchung unerwartet Asbest vorgefunden. Die Asbestsanierung führte zu einem um ca. 3 Monate verschobenen Beginn der Rohbauarbeiten in den betroffenen Bereichen.
  • Bei der Detailvermessung der Betonbögen, die einst die Kuppel über dem Vestibül getragen haben, sind geringfügige Verformungen der Bestandskonstruktionen festgestellt worden, die jedoch den geplanten Wiederaufbau der Kuppel geometrisch unmöglich werden lassen. Es wurde eine komplett neue Planung erforderlich. Die Bauleistungen, die im Zusammenhang oder in räumlicher Nähe der Kuppelkonstruktion liegen, mussten zeitweise unterbrochen werden.
  • Ein deutlich umfangreicherer Zeitaufwand wird bei der Restaurierung des bauzeitlichen Majolikaringes als Bestandteil der Kuppel über dem Vestibül erforderlich, da die tragende Konstruktion dieses hinsichtlich seiner Oberflächen verhältnismäßig gut erhaltenen Ornaments deutlich schlechter erhalten war als zuvor erkennbar.
  • Die Erneuerung tragender Mittelwände infolge ihres gravierenden Schädigungsgrades gestaltet sich weit aufwändiger als zunächst absehbar. Einer sich hier abzeichnenden erheblichen Bauzeitverlängerung konnte durch diverse Beschleunigungsmaßnahmen wirksam entgegen gesteuert werden. Vollständig ausgleichen ließ sich die Verzögerung jedoch nicht.

Die Komplexität und die Größe der Maßnahme erfordert eine sehr umfangreiche Planung. Allein die Ausführungsplanung des Architekten umfasst zurzeit etwa 14.000 Pläne, 10.500 davon für den 1.Bauabschnitt. Hinzu kommen die Planungen diverser Fachplaner, insbesondere für Raumlufttechnik, Heizung, Stromversorgung, Datentechnik, Sicherheitstechnik, die Buchförderanlage etc. Erforderliche Korrekturen ziehen nicht selten zahlreiche weitere Änderungen nach sich.

Kostensituation

Die Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek Berlin ist im Jahre 2003 mit einer Kostenobergrenze (bezogen auf den Preisstand 12/2002 und die seinerzeit als notwendig erkannten Sanierungsmaßnahmen) von 326 Mio. Euro genehmigt worden. Im Jahre 2007 wurde infolge der Preissteigerungen nach der Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16% auf 19% die erste Budgetanpassung auf dann 333 Mio. Euro genehmigt.

Bis 2009 konnten sowohl die erhebliche Baupreissteigerung seit 2003 als auch alle zusätzlich erforderlichen Maßnahmen beim Bauen im Bestand durch Einsparungen oder Vergabegewinne (im Vergleich zur Kostenplanung günstiger abgeschlossene Verträge) kompensiert werden. Danach erreichte die Preissteigerung eine Größenordnung, die eine Anpassung des Budgets des Projektes unumgänglich werden ließ. Der bis dato genehmigte Kostenrahmen von 333 Mio. Euro ist um 32 Mio. Euro auf 365 Mio. Euro gestiegen. Alle diese Budgeterhöhungen sind ausschließlich durch Material- und Lohnkostensteigerung entstanden.

Zwei weitere Erhöhungen des Budgets 2014 und 2017 waren unter anderem aus folgenden Gründen notwendig:
• gegenüber den Altverträgen sind durch gestiegene Honorarsätze nach Inkrafttreten der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI 2009) für die neu beauftragten Planungsbüros höhere Honorarkosten zu veranschlagen,
• die Bauzeitverlängerung, vor allem infolge unvorhersehbarer zusätzlicher Maßnahmen bei der Sanierung des Gebäudebestandes (siehe Abschnitt Bauen im Bestand), hat unweigerlich zusätzliche Kosten zur Folge: Sie ist beispielsweise in den neuen Planerverträgen zu berücksichtigen und führt außerdem zu Mehrkosten beim Projektsteuerer und bei einigen bereits beauftragten Firmen,
• die seit 2009 eingetretenen Lohn- und Stoffpreissteigerungen müssen gegenfinanziert werden,
• in verschiedenen Außenwände wurden Hohlräume entdeckt, die aus statischen Gründen verfüllt werden mussten,
• die Instandsetzung der geklinkerten Hoffassaden erwies sich während der Sanierung infolge des größeren Schädigungsgrades und vieler vorgefundener Hohllagen als deutlich aufwändiger,
• im Inneren der Messinggeländer der denkmalgeschützten repräsentativen Treppenhäuser wurden stark korrodierte Stahlkerne vorgefunden, so dass umfangreiche Instandsetzungsarbeiten und der Nachbau zahlreicher Baluster erforderlich wurden,
• in zwei Gebäudeteilen ist Asbest vorgefunden worden und musste unter Einhaltung der dafür notwendigen Sicherheitsvorkehrungen entsorgt werden.

Zur Abfederung zusätzlicher Kosten sind im Projekt bereits verschiede Einsparmaßnahmen ergriffen worden; inzwischen ist der Spielraum für Änderungen zwecks Kosteneinsparungen infolge des fortgeschrittenen Stadiums der Baumaßnahme allerdings sehr begrenzt. Die Gesamtprognose inklusive einer Prognose des verbleibenden Restrisikos liegt unverändert bei ca. 470 Mio. Euro.

Aktueller Projektstand und Ausblick

Stand: 03/2017

Anfang 2017 wurden für die Grundinstandsetzung und Erweiterung der Staatsbibliothek zu Berlin im Haus Unter den Linden weitere Teile des Gebäudes einschließlich Ersteinrichtung an die Stiftung Preußischer Kulturbesitz übergeben. Dieser Bereich umfasst rund 11.400 Quadratmeter Nutzfläche, etwas mehr als ein Fünftel der gesamten Nutzfläche. Damit sind nun insgesamt rund 80 Prozent des etwa 100 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäudekomplexes, einer der größten Kulturbaustellen des Bundes, fertiggestellt.

Der verbleibende zentrale Teil wird noch bis Ende 2018 eine Großbaustelle sein. Mit Abschluss der Rohbaumaßnahmen, insbesondere der bautechnisch sehr anspruchsvollen Maßnahmen im Bereich der Treppenhalle und dem erfolgreichen Einbau der Geilingerstützen (siehe Abschnitt Bauen im Bestand), sind die beim Bauen im Bestand unvermeidbaren Risiken inzwischen deutlich gesunken. Die Gesamtfertigstellung der Baumaßnahme ist für Ende 2018 geplant. Danach folgen umfangreiche technische Inbetriebnahmen und Umzüge, bevor das Haus dann in der ersten Jahreshälfte 2019 seinen Nutzern wieder in vollem Umfang zur Verfügung steht.

Sobald der Haupteingang Unter den Linden wieder zur Verfügung steht, beginnen im derzeitigen provisorischen Foyer an der Dorotheenstraße die Arbeiten zum Ausbau des Bibliotheksmuseums.

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