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Neue Nationalgalerie

Grundinstandsetzung

Neue Nationalgalerie, Blick von der Potsdamer StraßeNeue Nationalgalerie, Blick von der Potsdamer Straße Quelle: © Staatliche Museen zu Berlin; Fotograf: Maximilian Meisse

Nutzung / NutzerStaatliche Museen zu Berlin
AdressePotsdamer Straße 50, 10785 Berlin
ArchitektDavid Chipperfield Architects, Berlin
ProjektleitungBundesamt für Bauwesen und Raumordnung,
Referat IV 5
Gesamtkosten*rund 101 Millionen Euro
Wettbewerb und
Ergebnisse
zweistufiges Verhandlungsverfahren (VOF-Verfahren)
Baubeginn / Fertigstellung             geplant 2016 / 2019
Bruttogrundfläche13.959 Quadratmeter
Nutzfläche 9.192 Quadratmeter

*Stand der haushaltsrechtlich anerkannten Kosten einschließlich der Honorare. Aufschläge für allgemeine Risiken und zwischenzeitliche Preisindexsteigerungen sind nicht enthalten.

Bestandserfassung

Die 1965 bis 1968 errichtete Neue Nationalgalerie ist eine Architekturikone von Weltrang sowie der Schluss- und Höhepunkt des Lebenswerks von Ludwig Mies van der Rohe.
Seit Ihrer Eröffnung wurde keine umfassende Sanierung vorgenommen. Die Neue Nationalgalerie hat nach nahezu 50 Betriebsjahren das Ende ihres ersten Lebenszyklus erreicht. Im täglichen Betrieb des Hauses traten zunehmend deutliche Sicherheitsmängel zutage und die Nutzbarkeit wurde aufgrund vermehrt auftretender Schäden deutlich eingeschränkt.

Vor diesem Hintergrund wurde das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im März 2009 mit einer denkmalpflegerischen und baulichen Bestandserfassung der Neuen Nationalgalerie beauftragt. Im Ergebnis der Bestandserfassung wurden bauliche und technische Schäden und Mängel festgestellt (gerissene Glasscheiben, gebrochene Granitplatten auf der Terrasse und an der Fassade, nicht nutzbare Rettungswege, Asbest- sowie Vorkommen weiterer Schadstoffe, fehlende Brandschutzabtrennungen, stehendes Wasser auf dem Stahldach über der Ausstellungshalle, defekte Grundleitungen usw. Darüber hinaus haben die technischen Anlagen und deren Infrastruktur ihre Lebensdauer weit überschritten und sind nur noch eingeschränkt funktionsfähig. In Folge konnte der Museumsbetrieb nur noch durch bauliche Interimsmaßnahmen und zusätzlichen organisatorischen Aufwand gewährleistet werden. Die Schäden und Mängel haben ein derartiges Ausmaß erreicht, dass inzwischen nicht nur die bauliche Substanz bedroht, sondern auch die Sicherheit akut gefährdet ist.

Schwerwiegende Defizite bestehen in den für den Museumsbetrieb notwendigen Funktionsbereichen. Die Besucherinfrastruktureinrichtungen sind im Sinne heutiger Ansprüche und Anforderungen mehr als unzureichend. Das Ausstellungsklima und die Sicherheit unterschreiten die heute üblichen internationalen Standards in einem Maße, dass ein Leihverkehr nur noch eingeschränkt möglich ist. Unterdimensionierte Lagerflächen sowie defizitäre Personal- und Sozialbereiche machen einen effizienten Betrieb fast unmöglich. Die gänzlich fehlende Ausstellungsvorbereitung mit Packraum sowie ungenügende Bedingungen für Kunsttransport und –logistik stellen das Haus vor kaum noch zu meisternde Herausforderungen. Nach wiederholten Überbrückungsmaßnahmen erlaubte die Gefährdungslage für Besucher und Kunstgüter nicht, den Betrieb des Hauses länger aufrecht zu erhalten. Die Neue Nationalgalerie musste zum Jahresende 2014 für den Publikumsverkehr geschlossen werden.

Konzept der Grundinstandsetzung

Auf Basis der Bestandserfassung des BBR wurde im März 2011 der Beschluss zur Aufstellung einer Entwurfsunterlage (EW-Bau) für eine denkmalgerechte Grundinstandsetzung gefasst, welche die Beseitigung der Sicherheitsrisiken, der baulichen Schäden und deren Ursache sowie die Wiederherstellung ursprünglicher Nutzungsmöglichkeiten beinhaltet. In einem offenen, konkurrierenden Verfahren wurde das Büro David Chipperfield Architects ausgewählt sowie nachfolgend das weitere Planungs- und Beratungsteam gebunden. Unter dem Leitsatz "So viel Mies wie möglich" wird seit Mitte 2012 das Konzept der Grundinstandsetzung entwickelt. Die Planung der Restrukturierung der Nutzung und Anpassung des Hauses an einen modernen Museumsstandard wurde dabei in einem iterativen Prozess unter Beachtung der Grenzen und Möglichkeiten des Gebäudes vorgenommen. Eingriffe und Veränderungen beschränken sich dabei immer auf ein minimal erforderliches Maß. Der iterative, paritätische Abstimmungsprozess erfolgte zwischen den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Berliner Landesdenkmalamt, dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, David Cipperfield Architects und weiteren Planern sowie unter der Beratung des ehemaligen Projektleiters Dirk Lohan (Enkel Mies van der Rohe) und des Mies-Experten Prof. Dr. Fritz Neumeyer.

Im Ergebnis der Entwurfsplanung liegt nun ein belastbares Konzept für die Grundinstandsetzung vor. Der von Mies geplante Ausstellungs-Rundgang wird durch Verlegung der derzeit im nördlichen Museumsgang liegenden Garderobe in ein ursprüngliches Gemäldedepot wiederhergestellt. Der Museumsshop wird aus der Treppenhalle in das bisherige Skulpturendepot verlegt. Durch Neupositionierung von Garderobe und Museumshop wird die Besucherinfrastruktur symmetrisch in der vorhandenen Grundrisskubatur angeordnet, funktionell jeweils am Ausstellungsbeginn gegenüber den Toiletten bzw. dem Café. Die dadurch aus dem Kern des Gebäudes verdrängten Depoträume werden im aufgeschütteten Bereich auf der Ostseite unterhalb der Terrasse neu positioniert. Der bisher nicht vorhandene, barrierefreie Zugang wird in Form einer geneigten Ebene zwischen Straßenniveau und Terrasse sowie durch einen neuen Aufzug, der Ausstellungshalle und Untergeschoss verbindet, hergestellt. Sozial-, Personal- und Lagerräume werden an den heutigen Bedarf angepasst. Um internationalen Leihverkehr zu ermöglichen, wird die dringend erforderliche, klimatisierte Ausstellungsvorbereitung geschaffen. Im Ergebnis der Restrukturierung der Funktionsbereiche werden die internen Wege optimiert und den Bedürfnissen angepasst.

Zur Behebung der Sicherheitsrisiken, Schäden und Mängel im Bestand ist eine vollständige bauliche und technische Instandsetzung aller Gebäudebereiche und Bauteile erforderlich. Im Ergebnis der Voruntersuchungen und Bauteilöffnungen wurden unter anderem erhebliche Schäden am Stahlbetonkern des Hauses festgestellt. Um diese beheben zu können, müssen sowohl die komplette Außenhülle als auch alle Innenbauteile bis auf den Rohbau demontiert werden. Erst dann kann die aufwendige Sanierung des Stahlbetoninnenkerns erfolgen. Die hochwertigen bzw. robusten Bauteile wie Granit-Natursteinplatten, Türen, Stahlprofile, Marmorplatten werden ausgebaut, restauriert, ertüchtigt und wieder montiert. Diese Vorgehensweise ist nicht nur denkmalpflegerisch geboten, sondern zugleich nachhaltig und wirtschaftlich sinnvoll.

Zum Erhalt der Stahl-Glas-Fassadenkonstruktion wird auf eine thermische Trennung verzichtet. Es erfolgt jedoch eine denkmalverträgliche Anpassung der Stahlkonstruktion, um Verformungen besser ausgleichen zu können, so dass Glasbruch zukünftig vermieden wird. Der Einbau neuer Verglasung entsprechend der hohen Sicherheitsanforderungen im Museumsbetrieb wird in den ursprünglichen übergroßen Formaten vorgenommen. Die Beschaffung der übergroßen Verglasungen stellt eine besondere Herausforderung dar. Weltweit werden diese zurzeit nur in einem Werk produziert. Eine Zulassung ist noch über aufwendige Testverfahren sicher zu stellen. Die Kondensatbildung wird durch die Optimierung technischer Anlagen und eine saisonal angepasste Nutzung des Hauses gemindert. Die haustechnischen Anlagen werden unter Wiederverwendung der denkmalrelevanten Einbauten wie Lüftungsgitter und Leuchtenkörper grundlegend erneuert. In den Grenzen der vorgegebenen Kubatur müssen dabei technische Anlagen optimiert und komprimiert werden. Alleinig im Bereich der alten Abluftauslässe hinter dem Skulpturengarten werden Umbauten erforderlich, die auch in den Grundwasserbereich eingreifen.

Im Zuge der Grundinstandsetzung müssen Bauteile Anpassungen an heutige bauordnungsrechtliche Anforderungen, Verordnungen und Richtlinien erfahren. Vor allem baurechtliche Anforderungen hinsichtlich des Brandschutzes müssen erfüllt werden. Das heißt wesentliche Bauteile, wie historische Türen, Innenverglasungen, Wände etc. sind zu ertüchtigen, jedoch ohne dass dadurch ihr äußeres Erscheinungsbild verändert wird. Dies bedingt ein komplexes, zeit- und planungsaufwendiges Unterfangen mit vielen Sonderlösungen und dadurch erforderlichen Testverfahren sowie Genehmigungen.

Ablauf

Die haushaltsrechtliche Genehmigung der Grundinstandsetzung erfolgte im Januar 2015. Damit wird die Aufnahme der Ausführungsplanung ermöglicht. Zur Umsetzung der Maßnahme wird der Ausstellungsbetrieb für circa fünfeinhalb Jahre geschlossen. Davon werden circa drei Jahre für die eigentlichen Baumaßnahmen benötigt. Die weiteren Zeiträume dienen der Ausführungsplanung parallel zur Beräumung sowie der Bauvorbereitung und der sich an die Grundinstandsetzung anschließenden Ersteinrichtung, inklusive Vorbereitung der ersten Ausstellung.

Nach Schließung der Neuen Nationalgalerie am 31.12.2014 begann die zirka einjährige Beräumung des Hauses, welche unter anderem die Auslagerung der über 1.400 hochwertigen und einzigartigen Gemälde und Skulpturen in einem extra dafür noch einzurichtenden Interimsdepot beinhaltete. Vor dem Verpacken und Transportieren der Kunstobjekte waren restauratorische Sicherungsmaßnahmen zwingend erforderlich. Anschließend begannen bauvorbereitende Maßnahmen über einen Zeitraum von sechs Monaten. Dazu gehörte das Verlegen von Leitungen, Maßnahmen zur Schadstoffbeseitigung sowie der Abbruch von nicht schützenswerten Bauteilen und Teildemontagen.

Derzeit erfolgt die Hauptbaumaßnahme mit zirka drei Jahren. Deren Dauer geht vor allem auf die tief eingreifenden Maßnahmen zurück. Im Verlauf der Hauptbaumaßnahme wird das Gebäude auf seine Rohbaukonstruktion zurückgeführt. Dabei werden umfangreiche Demontagen, Restaurierungen und Remontagen unter denkmalpflegerischer Begleitung erforderlich. Die bauliche Fertigstellung ist für das Jahr 2019 geplant. Voraussetzung dafür ist ein störungsfreier Bauablauf.
Daran schließen sich weitere 12 Monate für die Ersteinrichtung an. Innerhalb dieser Zeit werden alle Kunstobjekte und die dann restaurierten historischen Möbel von Mies van der Rohe in die sanierte Neue Nationalgalerie rückgeführt sowie weitere Ausstattung beschafft und die erste Ausstellung vorbereitet. Die Wiedereröffnung des Ausstellungsbetriebes wird im Sommer 2020 erwartet.

Die für die Grundinstandsetzung berechneten Gesamtkosten betragen 101.276.000 Euro, ohne Kosten für Risikovorsorge, Beräumung und Ersteinrichtung. Die Gesamtkosten entsprechen einem spezifischen Kostenkennwert von circa 7.255 Euro/Quadratmeter (BGF).

Neue Nationalgalerie, Außenansicht von OstenNeue Nationalgalerie, Außenansicht von Osten Quelle: © bpk; Fotograf: Gerhard Murza


Wesentliche bauliche Maßnahmen / Fakten der Grundinstandsetzung:

Allgemein
Denkmalverträgliche Anpassung an heutige bauordnungsrechtliche Anforderungen, Verordnungen und Richtlinien sowie an heutige technische Standards

Nutzungsverbesserungen
Quantitative Anpassung der Sozial- und Personalräume an den heutigen Bedarf
Qualifizierung der Besucher-Serviceeinrichtungen (Café, Toiletten, Garderobe, Bookshop)
Schaffung einer klimatisierten Ausstellungsvorbereitung
Qualifizierung der Anlieferung und der "Wege für die Kunst"
Neubau Kunstdepot infolge Verdrängung
Schaffung von Barrierefreiheit im denkmalgerechten Rahmen

Brandschutz
Schaffung von Brand- und Rauchabschnitten
Verbesserung der Flucht- und Rettungswege
Verbesserung der Entrauchung im Untergeschoss (nicht-öffentliche Bereiche)
Flächendeckende Brandmeldeanlage und Elektroakustische Alarmierung

Hüllensanierung
Demontage, Sanierung und Remontage der Granitfassade
Betonsanierung des Rohbaus
Erneuerung der Außenabdichtungen
Erneuerung und Verbesserung der Wärmedämmung
Ertüchtigung der Terrassenbeläge/-aufbauten (Entwässerung, Nutzlast)
Sanierung der Stahlglasfassade

Innensanierung
De- und Remontage wesentlicher Ausbauelemente zur Schaffung von Baufreiheit
Bauliche Maßnahmen infolge der Kompletterneuerung der Technischen Gebäudeausrüstung
Bauliche Maßnahmen infolge der Reorganisation der "back of house" Bereiche
Schadstoffbeseitigung (Asbest, PAK, etc.)
Adaptierung der Moduldecke an heutige Anforderungen
Rekonstruktion des bauzeitlichen Wollteppichs im Untergeschoss
Wiederherstellung bauzeitlicher Vorhänge und Ergänzung einer Vorhaltung für temporäre Behänge

Technische Gebäudeausrüstung
Kompletterneuerung der technischen Gebäudeausrüstung (HSKL + Elektro)
Verbesserung der Sicherheitsstandards beim Personenschutz und Sachschutz (Kunstgüter)
Anhebung des Ausstellungsklimas und der Ausstellungsbeleuchtung auf internationale Standards
Erneuerung der Fußbodenheizung mit Ergänzung um Kühlfunktion
Neubau Technikräume infolge Verdrängung
Integration der Wärmerückgewinnung bei den RLT Anlagen

Außenanlagen
Gartendenkmalpflegerische Instandsetzung aller Außenanlagen

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