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Gestaltungsentwurf 1. Preisträger

Wettbewerb
Zwischenräume - Gestaltung des öffentlichen Raumes auf der Museumsinsel

Erster Preis:
Levin Monsigny, Landschaftsarchitekten, Berlin

1. Die Insel – zwei Seiten


Die Insel hat zwei räumlich unterschiedliche Seiten:

Im Westen führt die Blockbebauung der alten Dorotheenstadt direkt an den Kupfergraben; ihr gegenüber stehen die mächtigen Museumsbauten, wachsen unmittelbar aus der Wasserfläche empor. Es entsteht ein städtisch dichter Raum.Im Osten treten die Gebäude von der Uferkante zurück, bilden verspringende Fluchten. Gemeinsam mit dem gegenüberliegenden Monbijou-Park entsteht ein landschaftlich fließender Raum.

Die Baumtypologien reagieren auf die zwei Seiten. Im Osten akzentuieren Baumreihen die linearen Räume, im Westen bestimmen freistehende Baumindividuen den Charakter. Beide jedoch berücksichtigen die eindrucksvollen Sichtbeziehungen. Der Bestand wird in diesem Sinne interpretiert und ergänzt.

2. Die Insel – Stufen der Entrückung

Brücken verknüpfen die Insel mit der Stadt. Ihre Anordnung entscheidet über die Einbindung in den Stadtraum, visuell und funktional. So bleibt - obwohl zwischen Spree und Kupfergraben gelegen - der Lustgarten Bestandteil der Stadt, ihre Dynamik bleibt präsent. Tritt man jedoch von der Bodestraße durch die Kolonnaden nach Norden, erreicht man einen entrückten Ort. Wer sich hier aufhält, wollte nur hier hin. Man ist umgeben von dem Gefühl des Gemeinsamen und des Begrenzten: zwei atmosphärische Merkmale einer Insel.

Die Besonderheit dieses Ortes wird durch eine eigene Materialität besetzt – dem Ausgangsgestein der Insel. Wie ein Felsen kommt es aus dem Wasser und bildet die Grundplatte der Insel. Nur die Zäsur der Stadtbahn verursacht einen Schnitt in dem Material.

Das Gestein bildet – vergleichbar mit angespültem Geröll und geologischen Verwerfungen - ein leichtes Relief in der Fläche; dies bildet das Mobiliar der Insel. Die in die Höhe strebenden Tempel der Kunst und die im Freiraum ausgestellten Skulpturen bleiben in ihrer Wirkung ungestört und solitär. Es ist ein besonderer, der Stadt entrückter Ort.

Auf weitere Anbindungen – wie den Monbijousteg – wird daher verzichtet.

3. Die Insel - Annäherung


Aus dem Stadraum kommend, sieht man die Insel mit ihren mächtigen Bauten aus dem Wasser ragen. Je mehr man sich nähert, desto schärfer werden ihre Konturen. Die Neugierde wächst, bis man endlich die Insel erreicht.

Die alte Bodestraße ist der zentrale Ankunftsort und Verteiler der Insel. Sie bildet somit die freiräumliche Entsprechung zum Eingangsgebäude am Kupfergraben.

Die entstehenden Nutzungsüberlagerungen machen die Bodestraße zu mehr als einem rein funktionalen Ort. Sie ist nicht nur ein Straßenraum, sondern wird zu einem Ort der Neugierde, des Beobachtens und der Kommunikation. Im Sinnbild der Insel ist sie der Hafen.

Prinzipien der Gestaltung

Aus oben aufgeführter Interpretation ergeben sich eindeutige Regeln zur Gliederung des Freiraumes:

  • Es gibt den Stadtraum, der als Straßenraum auch über die Insel führt. Er wird in Geometrie (Fahrbahn, Bürgersteig mit Ober- und Unterstreifen), Material (Granit als Großpflaster, Bordstein, Mosaik und Platte) und Ausstattung (Mastleuchten, Pfosten) ortsüblich und funktional hergestellt.
  • Es gibt die Freiräume der Insel. Sie werden aus einem eigenen, sandfarbenen Naturstein hergestellt – dem Grundgestein. Alle erforderlichen Einbauten entwickeln sich aus diesem Stein, kommen aus diesem hervor – so auch die Vegetation. Variationen dieses Gedankens reagieren auf Stimmungen der einzelnen Orte. Der Verzicht von aufgesetzter Ausstattung unterstützt die Wirkung von Gebäuden und Skulpturen.
  • Es gibt den Einschnitt der Stadtbahn. Er wird durch eine eigene Materialität und Atmosphäre gefüllt.
Orte der Insel - Variationen
Bodestraße.

Sie ist als Straßenraum ausgebildet, ist aber auch Ankunftsort der Insel. Eine langgestreckte Stein-Intarsie aus dem Material der Insel verläuft im Bereich der ehemaligen Fahrbahn, markiert den Eintritt in die besondere Welt. Sie verläuft im Boden, wächst als Banklinie empor. In Rhythmus und Höhe respektiert sie die Kolonnade als großes Vorbild. Die Friedrichsbrücke wird in ihrer ursprünglichen Dimension wiederhergestellt.

Platz am Kupfergraben.

Der Platz bildet den neuen Auftakt für die Insel und damit für das Grundgestein. Die transparent gläserne Hülle des Eingangsgebäudes differenziert ihn in einen überdachten und einen freien Raum. Ähnlich der eingesetzten Kubaturen im Gebäudegrundriss verhält sich das Steinrelief des Außenraumes. Es bildet Sockel und Podeste, niedrige Körper zum Sitzen und Verweilen.

Skulpturengarten.

Der sandfarbene Naturstein zeichnet in Grundriß und Formaten die Wegeführungen des alten Kolonnadenhofes nach. Dazwischen kommt Vegetation aus der Fläche hervor. Mit dem Thema Positiv – Negativ differenziert die Figur der Pflanzen den Verlauf der Nationalgalerie zu den seitlichen Flächen am Neuen Museum sowie entlang der Spree. Was im Zentrum geschnittene Buchsbaumzylinder auf einer Rasenfläche sind, wird seitlich zu geometrischen Aussparungen in einem gleichmäßig niedrigen Pflanzenteppich. Diese Felder werden jeweils von einer Skulptur oder einem Baum besetzt. Unterschiedliche Buchsbaumsorten lassen ein subtiles Spiel in den Grüntönen entstehen. Bodendeckende Pflanzen in den Aussparungen bilden weitere leichte Variationen in Blattform und -farbe. Der aromatische Duft des Buchsbaum erfüllt die Luft und entführt den Besucher in arkadische Welten.

Eine fein abgestimmte Höhenentwicklung in der Vegetation gibt der Fläche eine räumliche Differenzierung, ohne sich in den Vordergrund zu stellen. Die niedrigen Pflanzkörper bilden eine dunkle, ruhige Kulisse für ausgewählte Skulpturen und die eindrucksvolle Architektur der Museen.

Das Thema der Pflanzung stärkt bestehende Symmetrien des Raumes, reagiert auf den kräftigen Einfluß der Gebäude. Ihre Formsprache nimmt Bezug auf die klassizistische Architektur des Ensembles.

Der Baumbestand wird durch Platanen ergänzt und langfristig durch diese ersetzt. Eine einreihige Kolonnade verläuft in der Flucht vor dem Pergamonmuseum, um die ursprüngliche Symmetrie des Raumes wiederherzustellen.

Perspektivansicht aus dem Domgarten über die BodestraßeBlick aus dem Domgarten über die Bodestraße

Blick aus der Kolonade am SpreeuferBlick aus der Kolonade am Spreeufer

Blick über den SkulpturengartenBlick über den Skulpturengarten

Schnittansicht des SkulpturengartensSchnittansicht Ost-West des Skulpturengartens

Platz hinter dem Pergamonmuseum.

Die mächtige rückwärtige Fassade des Pergamonmuseums wird durch großkronige Platanen eingebunden. Für ihre Anordnung werden drei Erdkerne durch die neuen Kellerräume des Museums vorgesehen. Die offene steinerne Fläche bietet Raum für temporäres Mobiliar des Sommercafés oder für Veranstaltungen der Museen. Von den Bänken am Spreeufer öffnet sich der Blick über das Wasser, auf das grüne Gegenüber des Monbijou-Parks.

Gleichzeitig ermöglicht der Platz die Querung in Richtung Bodemuseum. Kommt man den Pfeilern der Stadtbahn näher, nimmt man immer deutlicher eine neue, fremde Materialität wahr. Auch dringt eigenartiges Licht aus den angrenzenden Räumen des Gleisbauwerks hervor.

Lichträume.

Die Fläche unter der Stadtbahn wird aus Metall nachgezogen. In jedem Pfeilersegment wird – invers zum Bahnraum der Archäologischen Promenade – eine Glas-Vitrine in das Material eingelassen. Sie sind Optionen für temporäre Installationen. Das Verhältnis von Glas zu Metall variiert von Segment zu Segment: ihre Geometrien reagieren auf das Umfeld, betonen Wegebeziehungen und Eingänge. Die Figur der Vitrinen findet sich als Metallscheibe unter der Decke der Gleise wieder. Ein fremdes Licht quillt aus den Einschnitten der Grundfläche und der Decke und betont das Künstliche dieser Räume.

Lichträume unter der Bahnstrasse bei NachtLichträume unter Bahnstrasse -nachts



Kleine Neugierden.

Über die Uferkante des Kupfergrabens ragen kleine Balkone. Als transparente Körper sind sie auf das Gestein der Insel gelegt. Sie bilden den Endpunkt der schmalen Museumsgassen. Wer bis hierhin vorgeht, kann über den langgestreckten Kupfergraben schauen. Er hat dann jedoch das sichere steinerne Ufer verlassen: unter ihm befindet sich nur noch das Wasser.

Blickpunkte.

Der Verlauf der unterirdischen Archäologischen Promenade wird durch gläserne Punkte markiert. Ihr Licht glimmt in der steinernen Belagsfläche. Neugierig gemacht, kommt man näher: man blickt hinab auf fremdartige Objekte in der Unterwelt.

Blickpunkt in der Bodestraße Blickpunkt in der Bodestraße

Inselspitze am Bodemuseum.

Die ursprüngliche Geometrie der Monbijou-Brücken wird wiederhergestellt. Der Straßenverlauf umfährt die hervorspringende Inselspitze. Dieser Ort wird mit dem nördlichsten Gesteinssockel markiert. Er wird zur Bühne für Darsteller und Musiker; oder Sitzpodest für Romantiker, die von hieraus den Sonnenuntergang über der Spree genießen.

Domgarten.

Seine Grundfläche wird vollständig aus wassergebundener Decke hergestellt. Im Zentrum ist – durch belagsbündige Mauern abgesenkt – eine geometrische Pflanzfläche eingelassen. Im Gegensatz zum benachbarten Skulpturengarten, wo die Vegetation nur eine zurückhaltende Kulisse bildet, sind hier Pflanzen die Exponate. Von den Bänken auf der Spreeseite blickt man über üppig bunte Kompositionen aus Blütensträuchern und Stauden. Eine stille Wasserlinie nimmt Bezug auf Achsen des Doms und des Alten Museums. Die strenge Baumpflanzung entlang des Lustgartens wird am Ufer der Spree durch freistehende Platanen aufgelockert.

Zusammen mit dem Lustgarten entstehen in unmittelbarer Nachbarschaft drei Gärten mit unterschiedlichem Schwerpunkt.

Beleuchtungskonzept.  

BeleuchtungskonzeptBeleuchtungskonzept

Das Beleuchtungskonzept folgt und unterstützt die atmosphärische Untergliederung des Stadtraumes. Im Verlauf der Straßen am kulturhistorischen Denkmal Museumsinsel wird die Beleuchtung über klassisch gestaltete Mastleuchten vorgenommen; sie bilden ein gleichbleibendes Kontinuum im Straßennetz des Umfeldes. Brücken als die besonderen, über das Wasser führenden Elemente werden - wie auch in jeweils unterschiedlicher Architektur gebaut – mit individuellen Brückenleuchten hervorgehoben. Diese sind größtenteils Bestand; an der Eisernen Brücke werden die gußeisernen Ornamente ihrer Brüstung illuminiert.

Gebäude und Freiräume der Insel werden mit einer eigenen, zurückhaltenden Lichtfarbe ausgeleuchtet. Die Anordnung der erforderlichen Leuchtmittel ist - im Gegensatz zu den markanten Mastleuchten des Straßenraumes – bodenorientiert oder in die Architektur integriert.

Die flächig verwendete Lichtfarbe der Insel wird in ihrer Quantität deutlich variiert: in der vertikalen Beleuchtung der Museumsbauten wird in Haupt- und Nebenfassaden unterschieden. Mittels Lichtrichtungen und dem Verlauf von Lichtquantitäten werden die Museumsbauten als Körper modelliert, um das Gesamtensemble der Insel in seiner Differenziertheit zu erfassen. Die unterschiedlichen Orientierungen der Gebäude werden deutlich.

So entsteht – mit der Ausnahme des Bodemuseums – zur städtischen Seite des Kupfergrabens eine höhere Lichtintensität als zur landschaftlichen Seite an der Spree. Das Bodemuseum - als Kopfbau der Insel konzipiert – erhält als einziger Baukörper eine umlaufende Hauptfassadenausleuchtung. Die erforderlichen Leuchtmittel sind als steinerne Sockel in das historische Geländer integriert. Auch der selbstleuchtende Baukörper des Neuen Eingangsgebäudes kann von hieraus zusätzlich beleuchtet werden; die Tiefe und Vielschichtigkeit seiner Gläsernen Hülle wird so – bei besonderen Anlässen wie die "Lange Nacht der Museen" – durch Lichtbrechungen auf dem Glas in Szene gesetzt.

Zur Spreeseite hin überwiegen die Nebenfassaden der Museumsbauten. Ein sanfter Lichtfilm überzieht ihre Flächen und erzeugt – gemeinsam mit der bewegten Spiegelung in der Spree – eine geheimnisvolle Vollmond-Stimmung. Im Kolonnadenhof werden die Südfassade der Nationalgalerie und die Ostfassade des Neuen Museums gegenüber Nebenfassaden differenziert. Der Raum des Kolonnadenganges wird über seine Decke indirekt ausgeleuchtet. Vom Monbijou-Park aus betrachtet, zeichnen sich die Konturen der Säulen und der freistehenden Bäume als dunkle bizarre Schattenrisse vor der mächtigen Kulisse der Museen ab.

Die Ausleuchtung des Freiraums erfolgt indirekt: einerseits über die Fassaden und andererseits - separat geschaltet – über Einbauleuchten im Stein bzw. Relief des Gesteins. So wird die Ausleuchtung im Skulpturengarten aus der Vegetationsaufkantungen hergestellt. Auch in den Podesten erzeugen nicht sichtbare Leuchten eine umfließende Lichtaura. Die Innenräume der Gebäudedurchgänge werden durch eine höhere Lichtintensität hervorgehoben: ihr Licht scheint aus den Öffnungen und markiert sie.

Die Trasse der Stadtbahn zerschneidet die Wege der Insel; zwei Richtungen kreuzen sich, ohne mit einander in Beziehung zu treten. Licht wird hier ebenso zum Fremdkörper wie die Bahn. Die Lichtfarbe ist monochrom gelb. Vitrinen differenzieren die einzelnen Räume, betonen angrenzende Eingänge und Querungen. Aus ihnen dringt das warm-weiße Licht der Insel. Die Inszenierungen des Lichtes schafft einen künstlichen Raum. Wer ihn quert, erlebt am eigenen Körper den Dialog der Lichtfarben.

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