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Masterplan Museumsinsel

3D-Modell der zukünftigen Museumsinsel3D-Modell der zukünftigen Museumsinsel Quelle: Stiftung Preußischer Kulturbesitz/ART+COM, 2012

Von der "Freistätte der Kunst und Wissenschaft" zum Masterplan Museumsinsel

Die Berliner Museumspläne waren immer Masterpläne und immer hatten sie in ihren entscheidenden Impulsen internationalen Zuschnitt. Daraus rühren ihre Faszination und ihre Langzeitwirkung. Im Grunde gilt es heute nur zu vollenden, was schon von Anfang an als ein Ganzes gedacht war. Die grandiose Gründungsurkunde aller Berliner Museumspläne liefert Schinkels Gemälde "Blick in Griechenlands Blüte" von 1825. Die Baustelle eines antiken Tempels ist das Programmbild für den Umbau Preußens vom Militär- zum Bildungsstaat. Nach den erfolgreichen Freiheitskriegen gegen Napoleon soll sich Preußen-Sparta zu Spree-Athen verwandeln: zu einem Ort, wo die schönen, die gelehrten und die nützlichen Künste regieren.

Grundlage für die Umsetzung dieser Vision bildete das erlösende Wort von Friedrich Wilhelm IV von der Schaffung einer "Freistätte für Kunst und Wissenschaften", die in der meisterhaften Gesamtplanung für die Museumsinsel von Friedrich August Stüler 1841 ihren Niederschlag fand.

Geschichte und Gegenwart

Im Verlaufe von 100 Jahren, zwischen 1830 und 1930, entstand auf der Museumsinsel ein einmaliges Ensemble bedeutender Museumsbauten, geschaffen von den großen Architekten jener Zeit. Nach nur wenigen Jahren ihrer Blüte versank die Museumsinsel im Bombenhagel der Jahre 1943-1945. Schrittweise und unter schwierigen Umständen wurden die Häuser nach Ende des Zweiten Weltkrieges wieder instand gesetzt. Zuletzt das Alte Museum 1966. Das Neue Museum blieb bis zum Beginn der Gründungssanierung (1989) eine teilweise baugesicherte Ruine.

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands stellten sich auch für die Entwicklung der Museumsinsel völlig neue Aufgaben und Möglichkeiten. Die Museumsinsel Berlin auf der Grundlage eines Masterplanes zu entwickeln und nicht nur zu sanieren, ist Ausgangspunkt und zugleich Zielsetzung dieses umfassenden Projektes. Schließlich gilt es, Sammlungen von Weltrang, die über 40 Jahre getrennt waren, im historischen Ensemble der Museumsinsel wieder zu vereinigen und gemäß den Anforderungen des 21. Jahrhunderts entsprechend zu präsentieren.

1999 wurden für die Zukunft der Mitte Berlins zwei Entscheidungen von großer Tragweite gefällt: Der Masterplan, der die Grundlage für die Wiederherstellung, bauliche Sanierung, Modernisierung und Entwicklung der Museumsinsel bildet, wurde am 4. Juni 1999 vom Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verabschiedet. Die Entscheidung der UNESCO über die Aufnahme der Museumsinsel in die Liste des Weltkulturerbes fiel am 2. Dezember des gleichen Jahres.

Masterplan - das Gesamtprojekt

Nach Abschluss des Gutachterverfahrens zum Neuen Museum schlossen sich die beteiligten Architekturbüros zur "Planungsgruppe Museumsinsel" zusammen: Heinz Tesar (Bode-Museum), Hilmer+Sattler+Albrecht (Altes Museum), David Chipperfield Architects (Neues Museum und Neues Eingangsgebäude). Sie entwickelten ein Gesamtkonzept der baulichen Maßnahmen zur Umsetzung der museumspolitischen und wissenschaftlichen Konzeptionen der Staatlichen Museen zu Berlin und den sich daraus ergebenden inhaltlichen und funktionalen Anforderungen. Nach den jeweiligen Wettbewerbsentscheidungen wurden in die Planungsgruppe Museumsinsel berufen die Büros O. M. Ungers (Pergamonmuseum), Levin Monsigny Landschaftsarchitekten (Freiraumplanung) und Polyform (Erscheinungsbild Museumsinsel).

Die Maßnahmen des Masterplan

1.
Die denkmalgerechte Grundinstandsetzung der fünf Gebäude sowie die räumliche Verbindung vom Alten Museum, Neuen Museum, Pergamonmuseum und Bode-Museum auf der Ebene der vorhandenen Kellergeschosse sowie durch drei neue Verbindungsstücke. So entsteht eine, die Sammlungen verknüpfende Ausstellungsachse, die Archäologische Promenade, die als konzeptionelles Rückgrat der Museumsinsel zugleich die architektonische Eigenständigkeit der historischen Bauten wahrt.

2.
Die Schaffung eines effizienten und barrierefreien Erschließungskonzeptes innerhalb der einzelnen Häuser sowie einer auf die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Besuchergruppen zugeschnittenen, häuserübergreifenden Wegeführung mit einer Vielzahl von Spezialrundgängen in den Häusern sowie einem Hauptrundgang durch die Großarchitekturen des Pergamonmuseums für geführte Gruppen mit kurzer Verweildauer.

3.
Die Entwicklung eines übergreifenden Infrastrukturkonzeptes mit der Errichtung eines neuen Eingangsgebäudes und Besucherzentrums zur Aufnahme verschiedener zentraler Funktionen.

4.
Die Ergänzung des Pergamonmuseums durch einen vierten Flügel am Kupfergraben zur Schließung des Rundgangs auf der Hauptgeschossebene sowie zur Präsentation der ägyptischen Großarchitektur.

5.
Die Verlagerung von museumsinternen Funktionen auf die dem Bode-Museum gegenüberliegenden "Museumshöfe", ihre Um- und Neugestaltung.

6.
Herrichten der Freiflächen auf der Museumsinsel mit dem Ziel der Öffnung sämtlicher Bereiche für die Museumsbesucher einschließlich der Durchwegung der Höfe des Bode-Museums.

7.
Entwicklung und Umsetzung eines Corporate-Design-Konzeptes, das der Museumsinsel ein einheitliches Erscheinungsbild verleihen wird, sowie eines innovativen Leit- und Informationssystems.

Planungen der Einzelprojekte

Im Rahmen des Masterplanes wird die Grundinstandsetzung der einzelnen Gebäude jeweils von einem für die spezielle Aufgabe ausgewählten Architekten bearbeitet. Dies führt die Entwicklungsgeschichte der Museumsinsel als Abfolge von fünf individuell gestalteten Solitärbauten fort, die im Laufe von mehr als 100 Jahren entstanden sind: Altes Museum, Neues Museum, Alte Nationalgalerie, Bode-Museum und Pergamonmuseum (nähere Informationen hierzu, sind auf den jeweiligen Seiten der einzelnen Gebäuden zu finden).

Weitere Einzelprojekte sind die Gestaltung der Freiflächen, die Entwicklung des Corporate Design und eines Leit- und Informationssystems für die Museumsinsel sowie die Planung des gemäß Masterplan vorgesehenen neuen Eingangsgebäudes. Zur Durchführung der Baumaßnahmen der Museumsinsel ist zudem eine übergeordnete Baulogistik erforderlich, die u. Baustelleneinrichtungen, Baustellenverkehr und Zugangskontrollen zentral steuert.

Freiflächen

Auf Grundlage des Wettbewerbsentwurfes wurde vom 1. Preisträger Büro Levin Monsigny Landschaftsarchitekten eine Vorplanung für den Außenraum der gesamten Museumsinsel erstellt. Schwerpunkt des Entwurfskonzeptes ist es, den Inselcharakter zu stärken. Alle zukünftig öffentlich zugänglichen Freiräume zwischen den Häusern sollen durch einheitliche Materialität, Möblierung und ein einheitliches Außenlichtkonzept als ein zusammenhängendes Ensemble erlebbar werden.

Die Umsetzung der Planung erfolgt Schritt für Schritt im Zuge der Baumaßnahmen der einzelnen Häuser.

Die denkmalgerechte Herrichtung der Kolonnaden und des Kolonnadenhofes - ein wesentliches Teilprojekt der Umsetzung des Gestaltungskonzeptes für die Freianlagen - wurde bis zur Eröffnung des Neuen Museums baulich fertig gestellt. Im Juni 2010 wurde der Kolonnadenhof mit neuer Bepflanzung feierlich wiedereröffnet.

Für die Planung der Herrichtung der Kolonnaden, das heißt deren Instandsetzung und partielle Ergänzung des Bestandes, zeichnet das Architekturbüro Petersen Architekten, Berlin, verantwortlich.

Erscheinungsbild Museumsinsel/Leit- und Informationssystem

Das Projekt, an dem das Büro für Grafik- und Produktdesign, Polyform, als 1. Preisträger des Wettbewerbes Erscheinungsbild Museumsinsel seit 2003 arbeitet, umfasst die konzeptionell-gestalterische Entwicklung der Themenbereiche Corporate Design, Leit- und Informationssystem, Neue Medien und Baustellenkommunikation. Das Corporate-Design-Konzept benennt die wesentlichen Elemente wie Raster/Farbe/Schrift und beschreibt die gestalterischen Grundregeln, die für alle Anwendungen des Standortkonzeptes gelten. Das Konzept schöpft aus der Identität des Ortes - es erfasst inhaltliche und emotionale Anteile.

Auf Basis des Corporate Design entsteht ein neues Museumsinsel-übergreifendes Leit- und Informationssystem mit konventionellen Elementen wie Orientierungsstelen und Leitschildern sowie mittels neuer Medien. Zusätzlich werden alle Häuser der Museumsinsel mit einem übergeordneten Ticket-, Kassen- und Kontrollsystem ausgestattet.

Die Realisierung erfolgt im Zuge der Grundinstandsetzung der einzelnen Häuser.

Das neue Eingangsgebäude

Als zentrales Besucherzentrum, als Veranstaltungs- und Informationszentrum und als Ort für Sonderausstellungen übernimmt das neue Eingangsgebäude eine Schlüsselfunktion in der Gesamtorganisation der Museumsinsel und entlastet dabei die historischen Gebäude.

Ausblick

Am 17. Oktober 2006 hat das Bode-Museum mit der völlig neu gestalteten Ausstellung der Skulpturensammlung in Verbindung mit Werken der Gemäldegalerie seine Pforten für das Publikum eröffnet. Der Wiederaufbau des Neuen Museums ist abgeschlossen. Das Haus, welches seit dem Zweiten Weltkrieg Ruine war, wurde im Oktober 2009 feierlich eröffnet.

Das neue Eingangsgebäude soll den Namen des berühmten Mäzens James Simon tragen und nach den Plänen von David Chipperfield Architects entstehen. Die Fertigstellung des Gebäudes ist für 2018 vorgesehen.

Für die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums wurde im Januar 2013 im Nordflügel mit den Baumaßnahmen begonnen. Sie werden in zwei Bauabschnitten durchgeführt, so dass ein Teil des Gebäudes stets für den Museumsbetrieb geöffnet bleibt.

Auf den Museumshöfen wurde 2012 das Archäologische Zentrum in Betrieb genommen und die darin enthaltene Archäologische Bibliothek dem Fachpublikum zur Verfügung gestellt. Der Neubau nach den Plänen der Architekten harris+kurrle aus Stuttgart ist Teil des sogenannten Kompetenzzentrums der Staatlichen Museen zu Berlin, in dem wissenschaftliche Verwaltungen, Restaurierungswerkstätten und Studiendepots auf den Museumshöfen zusammengeführt werden.

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