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Anerkennungen

für ein Freiheits- und Einheitsdenkmal

Anerkennung: Arbeit 1010

Xavier Veilhan, Paris, Künstler
(weitere Mitwirkende siehe Teilnehmerverzeichnis)

PerspektivePerspektive

Beurteilung durch das Preisgericht

Die klar erkennbare Idee des Entwurfes rückt den Mensch, als auslösendes Element der Freiheits- und Einheitsbewegung, in den Mittelpunkt.

Gelungen ist die Aussage, einen lebendigen Platz zu installieren, der zur Beteiligung und zum Verweilen einlädt. Die Figuren können dazu einladen, das Gefühl des Versammelns erfahrbar zu machen, wobei der Moment der Ruhe dazu anregt nachzudenken. Fraglich ist ob die Emotionen mit Bezug auf Freiheit, Friedliche Revolution und Einheit tatsächlich ausgelöst werden können. Die Revolution war durch das enge Zusammenstehen vieler Menschen geprägt, die als Masse ihre persönlichen Ängste durch kollektiven Mut überspielen können. Das Denkmal indes zeigt entschlossene Einzelindividuen, die Bezüge zur Zeit der Revolution vermissen lassen. Auf selbstverständliche Art und Weise werden aber die Besucher in das Denkmal eingebunden, und damit Teil desselben.

Positiv ist die Aufnahme des menschlichen Maßstabes, die die Besucher auf Augenhöhe bringen Die Ausformulierung der Figuren führt zu Unklarheiten und überzeugen künstlerisch unzureichend.

Der Abstraktionsgrad darf nicht verwirren und muss der zeitlichen Thematik gerecht werden. Fraglich ist zudem, ob fachunkundige oder junge Besucher angeregt werden über das Thema nachzudenken oder sich weiter zu informieren. Die Verfasser haben vorgeschlagen den Wettbewerbsbereich zu erweitern und die Figuren auch auf der gegenüberliegenden Uferseite zu positionieren, sollte diese Ausweitung jedoch Probleme bereiten, die Arbeit auf den Sockel zu beschränken. Nach Meinung des Preisgerichtes würde eine solche Beschränkung die Aussagekraft des Wettbewerbsbeitrags deutlich mindern.

Der Entwurf ist sehr gut realisierbar. Der historische Sockel bleibt von großen "Eingriffen" verschont. Die Lösung scheint sehr wirtschaftlich zu sein und hat wenige zu Pflegekosten zu erwarten. Das Denkmal funktioniert ohne zusätzlichen technischen Aufwand und Sicherheitspersonal.

PerspektivePerspektive

UmgebungsmodellUmgebungsmodell

UmgebungsmodellUmgebungsmodell

ArbeitsmodellArbeitsmodell

FigurenFiguren

Erläuterung der Entwurfsverfasser

Angesichts der Herausforderung der Aufgabe, ein Ereignis solcher Tragweite und Bedeutung darzustellen, schlagen wir mit dem Entwurf unserer Skulpturen einen Lösungsansatz vor, der versucht, der Komplexität der Deutschen aber auch der Europäischen Geschichte gerecht zu werden, ohne dabei eindimensional zu wirken.

Der Ausgangspunkt unseres Entwurfes ist es, den Blickwinkel von der äußeren Analyse der Ereignisse auf das inhaltlich Wesentliche des gesellschaftlichen Umbruchs zu verlagern und zwar aus der Sicht des einzelnen Individuums, der auf die Menschen, die Geschichte geschrieben haben.

Durch diesen Ansatz werden die Bedingungen für einen lebendigen und transparenten Umgang in der Darstellung geschaffen, wörtlich und im übertragenen Sinne. Wir wollen einen Ort des Fragens und der Emotionen schaffen, der Raum für kollektives Empfinden gibt und den Geist der Freiheit und des freien Willens vermittelt.

Ein Ort, der Freiraum lässt zum Nachdenken und in der Lage ist, Generationen zu verbinden. Die Anordnung der Figuren lässt den Moment der friedlichen Revolution auf menschlicher Ebene erfahrbar werden.

Auf einfache Weise veranschaulichen die Skulpturen die Empfindungen der Menschen, die fühlten, dass die Zeit gekommen war, gemeinsam auf die Straße zu gehen, um gegen ein System zu demonstrieren, in dem sie nicht weiter leben wollten.

Frauen und Männer, die sich ihrer Legitimation freudig bewusst werden: Wir sind das / ein Volk

Der Fluss entlang des Wettbewerbsbereiches unterstützt metaphorisch den Ansatz unseres Entwurfes, indem er das Symbol der Trennung und der Vereinigung darstellt / symbolisiert.

Unter diesen örtlichen Voraussetzungen haben wir die Idee menschlicher Figuren entwickelt, einzeln oder in kleinen Gruppen, die zusammenkommen, um eine Menschenmenge zu bilden. Erleben sie das Innere dieses friedlichen Engagements, dass unsere Geschichte so beeinflusste.

Eine Vielzahl von Charakteren, in stilisierten, geometrischen Konturen mit chromfarbener - einer monochromen - Oberfläche dargestellt, bevölkern den Sockel des ehemaligen Denkmals, richten sich gegen dessen Grenzen und bekunden ihre Entschlossenheit, dieses zu überwinden.

Im übertragenen Sinne wird die Überwindung der Grenzen des Denkmals zum Denkmal selbst, in einer menschlichen Maßstäblichkeit ohne monumental zu wirken.

Ein Denkmal dem Leben entliehen, zwischen Angst und Mut vereint in der Solidarität der Gruppe.

Diese Haltung führt uns weg von der traditionellen Form des Denkmals.

Hier haben wir nicht ein Objekt geschaffen, sondern einen Ort. Einen lebendigen Ort, offen für Experimente, offen für alle, zu jeder Zeit. Ein Labyrinth von stillen Figuren. Die Umsetzung erfolgt in einer zeitgemäßen Form des Gedenkens, bei der sich die Besucher mit den Figuren der Geschichte vermischen, wodurch ein Band zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft geschlossen wird.

Anstelle eines ausdrucksstarren Denkmals schlagen wir einen lebendigen Platz vor, der den Menschen zum Feiern und zum Gedenken an den Wert der Freiheit dienen soll. Dieses Projekt lebt von der Erinnerung an die Menschen, die die Wende und damit die Wiedervereinigung ermöglicht haben.

Umsetzung

In technischer Hinsicht erfüllt das Konzept die Vorgaben der Auslobung in zwei wesentlichen Punkten:

1. Die Ausführung und Installation der Figuren kann unabhängig von den Renovierungsarbeiten des Sockels erfolgen.

Die Arbeiten an den Skulpturen werden im Atelier ausgeführt und sind von den Baustellenarbeiten unabhängig. Als Material für die Figuren ist eloxiertes Aluminium oder emaillierter Stahl vorgesehen.

Zur Montage der Figuren vor Ort werden Grundplatten im Zuge der Renovierungsarbeiten des Sockels eingebracht, auf die später dann die einzelnen Skulpturen gesetzt werden.

2. Die Anforderungen der strukturellen und statischen Umsetzung vor Ort lassen sich einfach lösen.

Eine leichte Konstruktion der Figuren entbindet von komplexen statischen Nachweisen für ein monumentales Denkmal. Das renovierte und sanierte Fundament des Sockels lässt sich für die Lasten der Figuren nutzen. Es sind keine zusätzlichen Fundamente notwendig.

Bei Dunkelheit wollen wir auf eine spezifische Beleuchtung der Anlage verzichten. Der unerwartete Moment der Ansammlung soll dadurch unterstützt werden, dass die allgemeine städtische Beleuchtung weitergeführt wird. In den Außenanlagen sollen die Beläge wie im Bestand weitergeführt werden. Ergänzungen von Flächen erfolgen im gleichen Material. Der existierende Raum wird geschützt und erhalten.

Anerkennung: Arbeit 1021

realities:united, Berlin und Bjarke Ingels Group, Kopenhagen
(weitere Mitwirkende siehe Teilnehmerverzeichnis)

PerspektivePerspektive

Beurteilung durch das Preisgericht

Der Entwurf reagiert auf die Wettbewerbsanforderung mit einem architektonisch geprägten Denkmal, das zugleich ein Bauwerk der Infrastruktur ist. Als symbolische Form vereint der Entwurf zwei archetypische Bilder: Brücke und Kreis. Sie verweisen in ihrer Einfachheit durchaus auf das, was zu würdigen ist: nämlich Freiheit und Einheit. Der Entwurf versteht sich nicht in der Form eines tradierten (Bildhauer-) Denkmals, sondern schlägt eine funktionale Lösung vor, indem er zwei Themen miteinander verbindet: einerseits das Überschreiten und andererseits durch die Kreisform die Wiederbegegnung.

Als in seiner Form irritierendes Brückenbauwerk erlangt der Entwurf skulpturale Qualität. Die ungewöhnliche, ja deplaziert wirkende Form unterläuft vertraute Denkmalerwartungen, er bewirkt ein Innehalten und ein Um-sich-Blicken in die wieder gewonnene historische Mitte Berlins.

Ernsthaft einzuwenden ist die deutliche Überschreitung des Wettbewerbsbereiches, was zu planungs- und wettbewerbsrechtlichen Problemen führen kann.

Zur Verwirklichung des Entwurfs muss baulich in den Denkmalssockel eingegriffen werden. Für diesen selbst sieht der Entwurf nur eine mobile Bespielung vor.

PerspektivePerspektive

UmgebungsmodellUmgebungsmodell

UmgebungsmodellUmgebungsmodell

ArbeitsmodellArbeitsmodell

Erläuterung der Entwurfsverfasser

VORBEMERKUNGEN
Skulptur, Architektur, Landschaftsarchitektur.

Der unverrückbare Kern dieses Vorschlags ist die Errichtung einer ringförmigen Brücke zwischen dem bestehenden Denkmalsockel und dem gegenüberliegenden östlichen Kanalufer. In der Wichtigkeit darunter stehen die einzelnen Gestaltungsaspekte des "innerer Denkmalbereichs", die Formsprache des Brückenobjekts und so weiter. Alle entfernteren Gestaltungsaspekte –das betrifft den großen Teil des eigentlichen Denkmalsockels - sind im wesentlichen landschaftsarchitektonischer Natur.

Erweiterung des Denkmalbereichs

Die Konsequenzen der Erweiterung des Denkmalbereichs bis zum gegenüberliegenden Kanalufer sind innerhalb der Möglichkeiten des Bearbeitungsstands auf ihre Machbarkeit hin geprüft worden. (siehe Baubeschreibung)

INTENTION
a. Grundsätzliches

Neben den auftragsgemäßen Zielen der Erinnerungspflege will das vorgeschlagene Denkmal ein Ort sein, der auch dem weiter andauernden Prozess der Bildung der "inneren Einheit" dient. Das bedeutet nach der Erfahrung der letzten 20 Jahre insbesondere auch die Förderung der Versöhnung der ehemals in gegensätzliche Lager gespaltenen Gesellschaft, und die Bildung einer modernen nationalen Identität. Das Denkmal ist die untrennbare Kombination aus einer Skulptur und einer Brücke. Seine formale Erscheinung weist es als Infrastrukturbauwerk aus, seine vernunftwidrige Form und seine symbolische Platzierung als künstlerischen Eingriff.


b. Skulptur und Mensch

Diese Skulptur will nicht nur betrachtet werden, sondern sie will gemäß ihrem Zweitwesen als Infrastrukturbauwerk vor allem ein Mittel sein. Das thematisiert die Bedeutung der Menschen, die auf diesem Denkmal zuoberst sind. Übertragen - also in Bezug auf die Revolution von 1989 - und ganz gegenwärtig in Gestalt der täglichen Besucher, die sich auf der Brücke versammeln.


c. Brücke und Kreis

Die Installation vereint zwei einfache Bilder: Brücke und Kreis. Das erste – die Brücke – ist ein Symbol der Überwindung, der Wegbarmachung und des Zusammenkommens von zwei vorher getrennten Seiten . Das zweite – der Kreis – ist ein Symbol für Vollkommenheit und Einheit. Die Überlagerung der beiden Zeichen - der Kreis als Brücke - schafft ein neues spezielles Objekt mit zusätzlichen Bedeutungsebenen. Der Brückenkringel ist das Bild der freudigen Verbindung: übermütig, kraftvoll und optimistisch. Es ist ein positives Symbol, aber es ist keine triumphale Gebärde. Die Figur ist nicht nur eine Metapher für die positive Erfahrung der Überwindung von Unfreiheit und Teilung, sondern auch für die gesellschaftliche und individuelle Erfahrung der Teilung selbst, die seitdem ein prägender Teil der deutschen Identität ist. Ein Kreis als Brücke das sind in Wirklichkeit zwei Brücken. Ein Weg der sich teilt, dann auf zwei getrennten Bahnen den Abgrund überwindet, sich dabei immer weiter voneinander entfernt und sich schließlich wieder trifft: Das ist ein Bild für die Ereignisfolge von Teilung, Isolation und Widervereinigung. So gesehen mag dann der Weg über die zunächst lustige Brückenkurve, auch als ein gebautes Sinnbild für die mühevollen individuellen Umwege erscheinen, als Konsequenz der Teilung aber auch des Neuanfangs im vereinigten Deutschland

Städtebauliche Transformation

Das bisher beschriebene Bild der kreisförmigen Brücke enthält keine Erklärung, warum dieses Motiv nicht innerhalb des Formats einer klassischen Skulptur, das heißt "auf dem Sockel", verarbeitet wurde. Die Antwort ist, dass das "Handeln" des Denkmals beziehungsweise die von ihm erkennbar bewirkte Transformation seiner Umgebung, speziell des bestehenden Sockels, den zweiten wesentlichen Mitteilungsaspekt des Denkmals ausmacht. Die Transformation seiner städtebaulichen Einbettung ist gleichzeitig ein symbolischer und ein praktischer Eingriff. Sein Ziel ist die präzise Artikulation des Denkmals eben auch durch die Auseinandersetzung mit dem historischen Originaldenkmal. Ein Nebenaspekt ist die Verbesserung der städtebaulichen Funktion des Denkmalortes. Der Vorschlag ist diesem sensiblen städtebaulichen und historischen Kontext angemessen, weil er einer klaren Agenda folgt und weil die Veränderungen an der historische Substanz moderat und vollständig "transparent" sind, also die ursprüngliche Gestalt in allen Aspekten weiterhin erkennbar ist. Die Legitimität – also die Frage, ob man überhaupt ein neues Grundelement in diesen in der Geschichte so oft transformierten städtebaulichen Kontext einfügen darf – ist eine andere Frage. Die Verfasser sind der Meinung, dass die herausragende Bedeutung der Aufgabe und die Botschaft des Denkmals, das ja dem Mut, der Tatkraft und als Freiheitsdenkmal nicht zuletzt dem verantwortungsvollen Ungehorsam (Leipzig) gewidmet ist, eine Bejahung zulässt: Ja, für diese Aufgabe, ist es legitim!

Transformation als Funktionsanpassung

Zunächst zu den praktischen Aspekten der städtebaulichen Transformation: Als Brücke bekommt der Denkmalort eine höhere städtebauliche Bedeutung; es wird dadurch letztendlich größer, selbstbewusster und präsenter im Gefüge der Stadt. Das Denkmal wird als zentrales Verbindungsstück zwischen der Schlossfreiheit und dem Schinkelplatz installiert und verknüpft diese um sich herum zu einer kontinuierlichen Platzfolge vor der Westseite des Schlosses (deren relativ enge Situation schon damals Thema war). Die zweiseitige Zugänglichkeit macht das Denkmal leichter zu erreichen und so erhöht sie auch die Robustheit der Denkmalnutzung gegenüber den zu erwartenden Beeinträchtigungen durch die anstehenden jahrelangen Bauarbeiten an Schloss, U-Bahn und Bauakademie. Als heimliche Agenda antizipiert das Denkmal die Aufwertung des vergessenen Spreekanals, dessen Nutzen in der Zukunft neu zu definieren ist. Seine Wahrnehmung wird ebenfalls gestärkt. ( siehe Kasten "zum städtebaulichen Umfeld")

Transformation als Symbol

Wichtiger aber als die praktischen Aspekte sind die symbolischen Aspekte der Sockeltransformation. Sie bilden neben dem Brücke/Kreis Sinnbild den zweiten umfassenden Mitteilungsbereich des Denkmals. Das Denkmal artikuliert sich durch - oder man kann sagen: das Denkmal "ist" die gezielte Veränderung des städtebaulichen Außenbezugs des alten Denkmalsockels. Durch seine symbolische Veränderung werden die Befreiung und die Einheit von 1989/90 einschließlich des dazu korrespondierenden demokratischen gesellschaftlichen Selbstverständnis in eine abgrenzende Beziehung gesetzt mit der Einheit von 1871 und der damaligen Gesellschaftsordnung. Dadurch - indem die Unterschiedlichkeiten thematisiert werden - wird das neue Denkmal ergänzend charakterisiert. Außerdem wird dadurch prophylaktisch allen möglichen Missverständnissen in Bezug auf die Bedeutung der Denkmalplatzierung auf dem kaiserlichen Denkmalsockel vorgebeugt. Die Ausweitung der historischen Grundrisslinie des Denkmalsockels ist dafür ein allgemeines Zeichen. Es steht für die selbstbewusste Bildung einer Position in respektvollem Bezug zur historischen Vorlage, aber nicht in ihren Grenzen. Insbesondere die Verwandlung des Sockel von einem städtebaulichen Abschlusselement zu einem Brücken- das heißt Übergangselement enthält die Anerkennung der Bedeutung der Einheit von 1871 für die Gegenwart und relativiert sie gleichermaßen: Sie war ein wichtiger Schritt, aber nicht die Vollendung. Es ist auch eine Interpretation der gegenwärtigen Einheit und Freiheit ebenfalls nicht als vollendeter Zustand, sondern als anhaltender Prozess. Der weitere symbolische Aspekt ist die Öffnung der Denkmalanlage zur anderen Seite – zur Stadt. Bisher war sie ausschließlich auf das Schloss als Symbol der Zentralgewalt bezogen und zeigte der Stadt ihre Rückseite. Diese Öffnung ist stellvertretend für die Vorstellung dass die Einheit - und noch weniger die Freiheit - das Ergebnis einer einzigen Ursache und einer einzelnen Gewalt sind, sondern nur aus der Vereinigung ganz unterschiedlicher Personen und Einflüsse entstehen kann; das mithin das Prinzip der Begegnung und des demokratischen Dialogs dafür entscheidend ist.

ENTWURFSBESCHREIBUNG

Brücke und innerer Denkmalbereich

Formal ist die Installation als konventionelle Brücke gekennzeichnet. In der Wahrnehmung ist sie eher eine "sonderbare Brücke" als eine "begehbare Skulptur". Abgesehen von- und im deutlichen Kontrast zu der irritierenden Ringform erscheint sie im Ganzen als ein klassisches Infrastrukturbauwerk, geprägt von einem grundsätzlichen Pragmatismus und einer generellen gestalterischen Zurückhaltung. Die Brücke erinnert an entsprechende Bauwerke aus den 1960er Jahren, mit der typischen Kombination aus Direktheit, pragmatischer Beschränkung und subtiler Eleganz; die Details sind bis zur Unsichtbarkeit unaufdringlich. Die Grenzlinie zwischen Gestaltungsabsicht und technischer Ausformulierung ist ebenso wenig zu fixieren, wie das exakte Baujahr der Brücke. Dieses Bild ändert sich leicht, aber nicht fundamental, bei Annäherung an die Brücke, wenn der hohe Qualitätsgrad der Material- und Oberflächenbeschaffenheit und die Präzision der Ausführungsdetails erkennbar wird. (siehe Baubeschreibung.) Der bestehende Denkmalsockel erhält entlang der Grundrisslinie des Brückenrings eine gestufte Einfräsung, die den Höhenunterschied zwischen beiden Uferseiten verringert und außerdem einen großzügigen Aufenthaltsbereich mit Blick vom Sockel über die Brücke in Richtung Schinkelplatz herstellt. Dieser Bereich zusammen mit der eigentliche Brücke ist der "innere Denkmalbereich".

Äußerer Denkmalbereich

Für den äußeren Denkmalbereich – also den übrige Teil des Denkmalsockels existieren Vorstellungen, die überwiegend landschaftsplanerischer Art sind und die gegebenenfalls im Zusammenhang mit der städtebaulichen Gesamtgestaltung des Schlossareals weiterzuentwickeln sind. Demnach wird der Denkmalsockel zu einem Aufenthaltsort als erhöhter "Balkon" zwischen Denkmalbrücke und Schloss. Im Süden entsteht eine Baumgruppe aus 3 bis 4 Solitärbäumen (Pflanzgröße circa 15 Meter), deren Pflanztröge in das Podest eingeschnitten sind. Die Lage der Bäume wird an die Struktur des Podestbauwerks und an die Lage beschädigter Mosaikbereiche angepasst. Entlang der Stufen des bestehenden Sockels und durch zusätzliche Podeste werden großzügige, teilweise beschattete Sitz und Ausruhbereiche geschaffen, die der starken touristischen Nutzung im Sommer entsprechen. Der zentrale Bereich des Denkmalsockels bleibt weitgehend frei. Das kreisrunde Sitzpodest an Stelle des ehemaligen Reiterstandbildes ist mobil, um perspektivisch temporäre Nutzungen auf dem Platz zu gestatten. Vorstellbar, gegebenenfalls mit einer entsprechenden Trägerschaft durch das Humboldtforum, das deutsche historische Museum oder andere, ist, dass hier temporär Ausstellungen oder einzelne Exponate, Pavillons und so weiter aufgestellt werden, die thematisch (Geschichte, Politik, Identität, Zukunft, Bildung, Kultur) mit Berlin, Deutschland oder Europa in Verbindung stehen.

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