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1024 Pauhof Architekten, Wien, Österreich, Michael Hofstätter und Wolfgang Pauzenberger

(weitere Mitwirkende siehe Teilnehmerverzeichnis)

PerspektivePerspektive

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UmgebungsmodellUmgebungsmodell

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ArbeitsmodellArbeitsmodell

Erläuterung der Entwurfsverfasser

KÜNSTLERISCHES KONZEPT
Ausgangspunkt beim Entwurf des Denkmals für Freiheit und Einheit Deutschlands ist, die kontextuellen Sinnstrukturen des Standortes für die inhaltlichen Vorgaben zu nutzen - in eine aussagekräftige Form zu verdichten. Gerade die spezielle Lage in der Mitte Berlins, auf dem Sockel des zerstörten Denkmals für Kaiser Wilhelm I bedingt die ästhetische Interpretation des Ortes, der stadträumlichen Situation, seiner Funktion, seiner Geschichte. Die Dialektik von Aufbau und Zerstörung manifestiert sich hier in der gegenwärtigen Leere, durch den abgeräumten Sockel. Des weiteren ist die symbolische Bedeutung der Spree nicht zu unterschätzen. Der Stadtfluss hatte in der Berliner Geschichte sowohl eine trennende als auch eine verbindende Funktion.
Gleichzeitig finden wir in unmittelbarer Umgebung Orientierungen von hohem inhaltlichen und architektonischen Potential: Der steingefasste Spreekanal, dessen Querungen, speziell die Schlossbrücke in Verlängerung der bedeutenden Stadtachse 'Unter den Linden', das gesamte Gebäudeensemble auf der Spreeinsel mit dem Alten Museum und der vorgelagerten Granitschale, das gegenüberliegende Westufer mit der Friedrichwerderschen Kirche, der Bauakademie, … Karl Friedrich Schinkels stilbildender Klassizismus, dessen architektonische Ideen bis zu Mies van der Rohe's Neuer Nationalgalerie reichen, sollten auch die Form des neuen Denkmals inspirieren. Architektonische Klarheit, Dominanz der abstrakten plastischen Form, das zum Minimum gebrachte Künstlerische in Verbindung mit einem referentiellen Bezug zur Wirklichkeit entsprechen nicht nur der Bedeutung des vorhandenen städtischen Environments, sie könnten auch den einzigartigen Ereignissen von 1989 und 1990 Erinnerung und damit sichtbare, einprägsame Dauer verleihen.
Mit einem motivisch wirkenden Sockeldenkmal in der Achse des Schlosses, vor der Masse des Schlosses gerät man in dessen Bann, in eine hierarchische Struktur, deren Symbolik den sozial-kulturellen Gepflogenheiten der Gegenwart, dem demokratischen Staatsverständnis widerspricht. Wir entscheiden uns daher für eine überwiegend horizontale Denkmalstruktur, deren Monumentalität sich aus der spezifischen Platzierung, der weitgehenden Negation der Gravität, der existentiellen Aktivierung individueller Körpererfahrung konstituiert. Der historische Steinsockel ist zwar auch bei diesem Denkmalvorschlag der Ausgangspunkt, steht aber nun in einem neuen, völlig anderen Bedeutungszusammenhang. Geschichte wird geschichtet.
Die traditionellen Bedeutungszusammenhänge von Schloss und axialem Sockel mit Denkmal verschieben sich. Das schulden wir der demokratischen Gesellschaft, den Freiheitskämpfen deutscher Bürgerinnen und Bürger.

FORM – WIRKUNG – AUSSAGE
Eine 180 Zentimeter über dem Ufer des Spreekanals und 20 Zentimeter über dem bestehenden Sockel schwebende, etwa 3600 Quadratmeter große Platte, mit fließendem Wasser auf deren Oberfäche, spannt sich zwischen Schlossbrücke und Schleusenbrücke. Die Wasserflächen der Spree und der Denkmaloberfäche korrespondieren einerseits, bilden andererseits in ihrer differenten Ausprägung auch einen inhärenten Gegensatz. Für den Betrachter bleibt vorerst nur die skulpturale Figur sichtbar, nicht die Wasserfläche darüber. Sichtbar werden die vier Wasserfontänen im Bereich der Schleusenbrücke und im Bereich der Schlossbrücke das Zusammentreffen der Wasserströme an der Stele. Die Art, wie das Wasser architektonisch gefasst wird, vermag Stimmungsnuancen zum Ausdruck zu verhelfen. Das betrifft auch die runden Durchbrüche an der Stele und über der am Ufer eingeschnittenen Plattform. Fließendes Wasser über geometrische Glasflächen ist durch dessen bewegte Schatten wahrnehmbar.
Wasser und Freiheit – Differenz in der Einheit, Offenheit einer freien Gesellschaft erweitern die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Gesellschaft. Die Weite des horizontalen Körpers verjüngt sich an der Schlossbrücke und erhebt sich zu einer 35 Meter hohen Stele. Gerichtet, die Seite zur Wasserfläche hin offen, verweisen 16 gleichförmige Öffnungen auf die einzelnen Bundesländer. Diese explizite Referenz wird zum inhärenten Element innerhalb der ästhetischen Struktur, zum kompositionell notwendigen Bestandteil des Werkes.
Ergänzend zur skulpturalen Aussagekraft der Form sollte das Zeichensystem des Wassers, dessen lebensspendende Eigenschaften zum Symbol des Lebens, der Kontinuität, der Freiheit des Einzelnen, der dynamischen Entwicklung des Landes werden, die Hermetik des Denkmals auflösen und als unverzichtbare Voraussetzung zum inhaltlichen Verständnis, zur Wirkungsmöglichkeit beitragen. Abstrakte Form, Leben und Erinnerung legitimieren sich in einer symbiotischen Verbindung und sind offen für die Zukunft. Einzige wirklich konkrete Hilfestellung für das politisch-kulturelle Gedächtnis leisten die großdimensionierten, in die beiden Konsolen reliefierten Jahreszahlen 1989 und 1990. Gut zu sehen von der dazwischen liegenden Plattform, auf dem Weg nach unten, zum Spreewasser. Man indifferiert hier mit der freien Umgebung, erfährt den Rückfluss des Wassers zur Spree in Verlängerung der Stele, sieht in das dunkle Gewölbe des Sockels, erahnt das monumentale Potential des Denkmals mit seinen hier beiderseits wegfluchtenden Konturen, spürt die Kongruenz des bestehenden Flussraumes mit den neuen plastischen Formen. Dauer und Vergänglichkeit, Nähe und Unendlichkeit, Imaginationskraft und soziale Realität als scheinbar gegensätzliche atmosphärische
Ebenen sollten in einem inspirierenden Spannungsfeld gleichzeitig wirken.

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