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Goethe-Institut in Paris erstrahlt in neuem Gewand

Wiedereröffnung des Goethe-Instituts Paris

Das Goethe-Institut Paris ist nach zweijähriger Umbauzeit in Anwesenheit von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier und der Präsidentin des Goethe-Instituts, Jutta Limbach, wiedereröffnet worden. Die Generalsanierung des sechziger-Jahre-Baus übernahm das Architekturbüro Richter und Piquard aus dem französischen Bergerac im Auftrag des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die weitläufigen Räume erstrahlen jetzt hell und licht und verleihen dem Goethe-Institut einen Ausdruck von Jugendlichkeit und Frische. Auch die neue äußere Hülle fügt sich jetzt harmonischer in den umgebenen Stadtraum ein, der von den vornehmen Gebäuden im Haussmann’schen Stil des 19. Jahrhunderts geprägt ist. Mit seinen 1.823 Quadratmeter Hauptnutzungsfläche wird das Institutsgebäude, für dessen Renovierung 4,7 Millionen Euro investiert wurden, ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs zwischen Frankreich und Deutschland sein. Alle Einrichtungen des Hauses an der Seine stehen den Besuchern jetzt wieder zur Verfügung: die Bibliothek, Seminarräume sowie ein Veranstaltungs- und Kinosaal für 200 Gäste.

Goethe Institut Paris, Ansicht von der Avenue d’IénaGoethe Institut Paris, Ansicht von der Avenue d’Iéna Quelle: Jean-Marie Monthiers

Sanierung in Zahlen und Daten:

Bauherr Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung

Architekt/Generalplaner Richter und Piquard, Bergerac, Frankreich
Bruttogeschossfläche 4.067
Hauptnutzungsfläche 1.823
Gesamtkosten 4,7 Mio Euro
Baubeginn 2005
Fertigstellung/Nutzerübergabe Oktober 2007

Das Gebäude wurde 1965 nach Plänen des Architekten Rainer Schell für das Goethe-Institut erbaut. Es besteht aus zwei Einzelgebäuden, die durch einen Tiefkeller miteinander verbunden sind und sich zwischen der Avenue d’léna und der Rue de Lübeck im 16. Arrondissement, im Herzen von Paris, nahe der Champs Elysées und des Arc de Triomphe, befinden. Nach 40-jähriger Nutzung als Sitz des deutschen Kulturinstituts und zahlreichen Um- und Einbauten war eine grundlegende Herrichtung und Neuordnung erforderlich geworden. Zugleich konnte das als mittlerweile zu sachlich empfundene äußere Erscheinungsbild neu gestaltet werden. "Die Prämisse unserer Arbeit war", so der Architekt Hans Philip Richter, "die Qualitäten des Gebäudes zu belassen, zu erforschen und durch bedachte Eingriffe zu unterstreichen".

Bereits 1996 erfolgte die Sanierung des Veranstaltungssaals im Untergeschoss, bevor dann 2005 die Sanierungsarbeiten des gesamten Gebäudes begannen. Dabei wurde eine räumliche Neuordnung durch den Abriss und Wiederaufbau von nicht tragenden Wänden geschaffen und alle Bodenbeläge, Wandbekleidungen und Deckenelemente erneuert. Das Dach wurde saniert und die brandschutztechnische Ausstattung aller Bauteile, zu denen auch der Einbau von zwei Fluchttreppen im Hof zählt, sowie alle technischen Anlagen wie Heizung, Lüftung, Kühlung, Sanitär- und Elektroinstallationen erneuert. In der ersten Bauphase mussten zunächst die Trennwände und Unterdecken entfernt, überaltete Fassadenbekleidungen, Geländer und Fenster demontiert, Beläge und die technischen Anlagen ausgebaut werden. Dessen ungeachtet konnten in den zwei Jahren Renovierungszeit die Sprachkurse, die Informationsarbeit sowie die kulturellen Veranstaltungen fortgesetzt werden.

Bei der Erneuerung der Straßenfassade inklusive der Balkonbrüstungen wurde auf die städtebauliche Einbindung zur Avenue d’léna und Rue de Lübeck unter Berücksichtigung der strengen Auflagen der örtlichen Denkmalschutzbehörde geachtet. Bei der Instandsetzung der Außenfenster und –türen wurden Sonnenschutzelemente eingebaut. Den ehemals flachen Fassadenflächen wurde durch die Rücksetzung der Fenster in ihren Leibungen Kontur verliehen. Angebrachte Klappläden betonen die senkrechte Ausrichtung und schaffen so Verbindung zu den Nachbargebäuden. Die Fassadenverkleidungen wurden mit örtlichem gebräuchlichem Naturstein erneuert.

Fassadenansicht im Innenhof nach der SanierungFassadenansicht im Innenhof nach der Sanierung Quelle: Jean-Marie Monthiers

Innenhof vor der SanierungInnenhof vor der Sanierung Quelle: Jean-Marie Monthiers

Besonders beeindruckend sind die Fassaden zum Innenhof. Hier wurden die einst ganzflächigen Brüstungen aus Aluminium durch vielfarbig getönte Scheiben der Geländer an Balkonen und Terrassen des Gebäudeteils der Avenue d’léna ersetzt. Durch dieselbe Farbverwendung als Hintergrund für die Klassenzimmer im gegenüberliegenden Gebäude Lübeck entsteht ein wechselseitiges Farbenspiel. Dieses wirkt besonders nachdrücklich bei Dunkelheit, weil die erleuchteten und wabenförmig übereinander liegenden Klassenzimmer wie ein beleuchteter Querschnitt des Gebäudes erscheinen. Durch den Rückbau nicht tragender Wände und Deckenelemente sowie den großflächigen Einbau von Glas, besonders im Eingangsbereich, wirkt das Gebäude offen und freundlich.

Innenräume nach dem UmbauInnenräume nach dem Umbau Quelle: Jean-Marie Monthiers

Der Eingangsbereich im Gebäudeteil der Avenue d´lénaDer Eingangsbereich im Gebäudeteil der Avenue d´léna Quelle: Jean-Marie Monthiers

Bei der Gestaltung der Innenräume, die einem einheitlichen Schema folgen, wurde ebenfalls auf Helligkeit und Transparenz geachtet. So gibt es nun großzügige Empfangszonen in den Obergeschossen. Einzelne Geschosse im Gebäude zur Avenue d’léna werden vollständig vom Tageslicht durchflutet. Die Ausstattung der Innenräume besticht durch zurückhaltende Sachlichkeit. Die Inneneinrichtung wurde durch die Firma Vitra gestaltet. Die Einrichtung des Foyers entwarf der Designer Arik Levy. Diese Gesamt-Komposition der Innen- und Außengestaltung entspricht dem Ziel des Goethe-Instituts Paris, einen offenen, zeitgemäßen und individuellen Zugang zu Deutschland zu ermöglichen. Die Kosten für die Inneneinrichtung wurden vom Goethe-Institut selbst getragen.

Die Neukonzeption der Bibliothek übernahm die Schweizer Firma USM, die in Frankreich bereits die Universitätsbibliothek in Reims und die Bibliothèque Jean Rieux in Toulouse mit ihren modularen Bibliotheksmöbeln ausgestattet hat.

Die Bibliothek hell und lesefreundlichDie Bibliothek hell und lesefreundlich Quelle: Jean-Marie Monthiers

Bibliothek vor der SanierungBibliothek vor der Sanierung Quelle: Jean-Marie Monthiers

"Hier wird Respekt gezeigt vor dem originären Entwurf, der als Grundschicht der Neugestaltung erscheinen soll", versichert der Planer Hans Philip Richter. Gleichzeitig entspricht diese architektonische Neukonzeption den veränderten Anforderungen an eine zeitgemäße kulturelle Nutzung.

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