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Deutscher Biennale-Pavillon in Venedig

Foto: Deutscher Pavillon. Foto nach 1995Deutscher Pavillon. Foto nach 1995


ARCHITEKTDaniele Donghi Neubau
und Ernst Haiger Umbau
WETTBEWERB-
BAUZEITErbaut 1909, Umbau 1938
SANIERUNGSARCHITEKTENBrandt & Böttcher
HAUPTNUTZFLÄCHE430
GESAMTKOSTEN DER SANIERUNGSMASSNAHMENcirca 800.000 DM
BAUBEGINNJanuar 1995
FERTIGSTELLUNGMai 1995
BAULEITUNGBundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Bauleitung Rom

Der deutsche Biennale-Pavillon

Vom Erfolg der Weltausstellungen inspiriert, veranstaltete die Stadt Venedig 1895 eine internationale Kunstausstellung. Diese bis heute regelmäßig stattfindende Großveranstaltung mit internationalen Teilnehmern sollte der Stadt etwas von ihrem einstigen Glanz als alte See- und Handelsstadt zurückgeben. Nachdem die Ausstellungen der verschiedenen Länder zunächst in zentralen Häusern durchgeführt wurden, entschlossen sich die Venezianer 1903, einen Park für Länderpavillons auszuweisen. Neben den Bauten der anderen Kulturmetropolen, die sämtlich das Thema antiker Tempel variierten, entstand dort in ähnlicher Art 1909 ein deutscher Pavillon. Entworfen hatte den durch Vestibül, ionische Säulen und Giebelfeld geprägten Bau der venezianische Architekt Donghi. Die erste Bezeichnung "Padiglione Bavarese" spiegelte übrigens den großen Einfluss der Münchener Sezession auf die Zusammenstellung der Ausstellung wieder. 1912 wurde mit der Umbenennung in "padiglione della Germania" der Tatsache Rechnung getragen, dass nun der Beitrag zur Biennale ein Teil der offiziellen Kultur des Deutschen Reiches geworden war. Gleichzeitig erfuhr der tempelartige Eindruck des Gebäudes durch einen antikisierenden Dekorationsfries eine weitere Betonung. Der Pavillon blieb über die Weimarer Republik hin unverändert, bis ihn die Nationalsozialisten 1938 ihren propagandistischen Zielen entsprechend umgestalteten. Anstelle der ionischen Säulen ließ der deutsche Architekt Ernst Haiger vier mächtige, hohe Rechteckpfeiler treten, die einen giebellosen Architrav trugen. Die erhöhte Vorhalle vermittelte nun den Eindruck eines monumentalen Pavillons.

Nachdem sich die Bundesrepublik Mitte der 50er Jahre des Pavillons wieder angenommen hatte, begannen sogleich Überlegungen, das unliebsam gewordene Gebäude abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzten. Obwohl die verschiedensten Beiträge hierzu eingereicht wurden, kam es nicht zum Abriss. Statt dessen versuchte man, den durch das Gebäude ausgestrahlten "nationalsozialistischen Geist" zu bannen, indem Ausstellungen ehemals als "entartet" bezeichneter Kunstwerke gezeigt wurden. Ab Mitte der 60er Jahre bekamen zeitgenössische Künstler wie Nobert Kricke, Josef Beuys oder Sigmar Polke die Möglichkeit, sich speziell diesem Ort und seiner Vergangenheit zu widmen. Dennoch gab es bis in die 90er Jahre hinein immer wieder Forderungen, das inzwischen unter italienischem Denkmalschutz stehende Gebäude niederzureißen oder zumindest weitgehend "politisch korrekt" umzugestalten. Mitte der 90er Jahre entschloss man sich schließlich, den Pavillon unverändert zu erhalten. Im Rahmen einer vom Architekturbüro Brandt und Böttcher durchgeführten Sanierung wurde die in den 60er Jahren aufgetragene graue Farbe, die die Fassade noch strenger erscheinen ließ, durch den ursprünglich vorhandenen gelblichen Anstrich ersetzt.

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