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Botschaft in Wien

Abbildung: Kanzlei im Vordergrund, dahinter Residenz mit überdachter Vorfahrt.Kanzlei im Vordergrund, dahinter Residenz mit überdachter Vorfahrt. Foto 1965

ARCHITEKTRolf Gutbrod
WETTBEWERBEngerer Bauwettbewerb zur Erlangung eines Vorentwurfs 1959.
Drei gleichwertige Preise an Sep Ruf, Alexander Freiherr von Branca,
Rolf Gutbrod
GRUNDSTÜCKSGRÖSSE5.262
HAUPTNUTZFLÄCHE3.927
GEBÄUDEVOLUMEN27.835
GESAMTKOSTEN6,91 Mio. DM
BAUAUSFÜHRUNGRella & Co., Wien
BAUBEGINNOktober 1962
FERTIGSTELLUNGJuni 1965
BAULEITUNGBundesbaudirektion
GARTENGESTALTUNGH. Renner
EINRICHTUNGRolf Gutbrod und Bundesbaudirektion
KUNST AM BAUBlasius Spring, Christa Neumann

Modernste Botschaft im Diplomatenviertel

Der 1999 verstorbene Architekt Rolf Gutbrod gehörte lange Zeit zu den erfolgreichsten deutschen Nachkriegsbaumeistern. Obwohl er nie eine spezifische Handschrift entwickelte, verstand er es, sich auf einem hohen Niveau dem jeweiligen Zeitstil anzupassen. Dies trifft auch auf die 1959 entworfene deutsche Botschaft in Wien zu, die auf dem Grundstück der alten deutschen Botschaft im Wiener Diplomatenviertel Platz fand. Das teilweise im Krieg zerstörte palaisartige Reichsbotschaftsgebäude war zuvor abgerissen worden, und im Kontrast zur um die Jahrhundertwende errichteten Architektur der Umgebung entstand ein Gebäudeensemble in der Sprache der 60er Jahre.

Gutbrod entwickelte ein Ensemble aus drei Gebäudegruppen, die gemeinsam einen Terrassenhof umschließen. Das Kanzlei- und das Residenzgebäude sind jeweils sich berührende Winkelbauten. Beide Bauten springen hinter der Baufluchtlinie der umgebenen Altbauten zurück und bilden einen eigenen, durchdachten Grundriss. Während sich die Kanzlei dem Publikumsverkehr zur Straße hin aufschließt, öffnet sich die Residenz zum intimeren Innenhof. Ein Wohnhaus für Bedienstete befindet sich als separates Gebäude an einer Ecke des Innenhofes. Eine hohe "Palisadenwand" aus Sichtbeton schirmt den Hof zusätzlich ab. Kanzlei und Residenz sind trotz des baulichen Zusammenhangs deutlich voneinander getrennt. Im Inneren ist die Residenz nur durch das Botschafter - Dienstzimmer mit der Kanzlei verbunden. Vor allem die Gestaltung der Fassaden bringt die unterschiedliche Bedeutung der beiden Gebäude zum Ausdruck. Die Erscheinung des Kanzleigebäudes wird von Beton und Muschelkalkplatten bestimmt. An der weniger hohen Residenz sind den beiden Stockwerken über dem verglasten Sockelgeschoss Quarzitplatten als Bauschmuck vorgehängt. An beiden Gebäuden durchbrechen in unregelmäßigen Abständen Fensterbänder und größere Fensterflächen kontrastreich die schweren Beton- und Werksteinelemente. Farbe ist an den 1965 fertiggestellten Gebäuden nur sehr sparsam als Gestaltungsmittel eingesetzt. Aufgrund des im Laufe der Zeit gestiegenen Raumbedarfs wurde die Residenz 1998 in eine um 1899 erbaute Villa verlegt, die zuvor als Botschaft der DDR gedient hatte.

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