Navigation und Service

Deutsche Botschaft Tokio

Deutsche Botschaft Tokio - AußenansichtAußenansicht Quelle: TAISEI CORP.

BAUHERRBundesrepublik Deutschland, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
ARCHITEKT/
GENERALPLANER
Mahler Günster Fuchs, Stuttgart
KONTAKTARCHITEKTNikken Sekkei LTD, Tokyo
PROJEKTSTEUERERIPMIngenieurgesellschaft für Projektmanagement, Braunschweig
PROJEKTLEITUNGBundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat IIIA3
GRUNDSTÜCKSGRÖSSEcirca 14.500
BRUTTO-GRUNDFLAECHEcirca 3.700
HAUPTNUTZFLAECHEcirca 1.660
GESAMTPROJEKTKOSTENcirca 19 Millionen
BAUBEGINNJanuar 2004
FERTIGSTELLUNGFebruar 2005

In Tokio betreute das BBR den Neubau eines Botschaftsgebäudes der Bundesrepublik Deutschland nach Plänen des beim Wettbewerb siegreichen Architekturbüros Mahler Günster Fuchs aus Stuttgart. Der Kubus aus Glas und Stahl mit einer Grundfläche von 720 wurde für 19 Millionen Euro in nur 13 Monaten Bauzeit neben der bestehenden Botschaftsresidenz errichtet. Am 21. Januar 2004 wurde der Baubeginn mit einer traditionellen japanischen Shinto-Zeremonie gefeiert, bei der die Baustelle von Priestern gesegnet wird.

Auf dem circa 14.500 großen Grundstück im Stadtteil Minatoku der Stadt Tokio wurde von Januar 2004 bis Februar 2005 das Kanzleigebäude der deutschen Botschaft mit circa 1.660 Hauptnutzfläche und 65 Büroräumen neu errichtet. Das für Tokioter Verhältnisse großzügige Grundstück befindet sich in einem Wohn- und Geschäftsviertel gegenüber des beliebten Arisugawa-Parks. In unmittelbarer Nachbarschaft steht die Botschaft Frankreichs. Der Entwurf der Stuttgarter Architekten Mahler Günster Fuchs erfüllt alle funktionalen und repräsentativen Ansprüche der Bundesrepublik Deutschland an seine Auslandsvertretung in Japan, eine der größten und wichtigsten Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland. Ihr kommt angesichts der Bedeutung Japans in der Welt eine besondere Rolle im wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Austausch der beiden Staaten zu.

Sehr selbstverständlich steht der fünfgeschossige Baukörper frei neben der Residenz und dem Garten, bietet Aus- und Einblicke. Der Neubau ist ein klarer und ganz einfacher Kubus, geprägt von Stahl und Glas, abgerückt vom Hang, ein Gebäude von transparenter und leichter Erscheinung - ein angenehmer Beitrag für das Bauen, insbesondere für eine Deutsche Botschaft. Dabei orientiert sich das Gebäude nicht an aktuellen Trends und temporären Strömungen, sondern vermittelt gleichsam grundlegende und bestehende Werte wie Offenheit, Transparenz, Solidität und Klarheit.

Die angestrebte Offenheit des Kanzleigebäudes findet ihre Fortsetzung in der Grundrissorganisation im Inneren. Auch die repräsentativen Belange sind auf einfache wie wirkungsvolle Weise erfüllt. Das rund 200 große, überdachte Atrium spendet Tageslicht bis in die Eingangsebene und bildet das kommunikative Zentrum der Botschaft. Im Rahmen der Kunst am Bau wurden die Wandmosaiken der alten Kanzlei erhalten und im Besprechungsraum wieder installiert. Für die Ausgestaltung des Atriums wurden im Rahmen eines Wettbewerbs Wandbilder der Künstlerin Anna Werkmeister ausgewählt. Die Visastelle wird über einen separaten Zugang neben dem Haupteingang erreicht. Der bestehende und schützenswerte, parkartige japanische Garten stellt eine besondere Qualität auf dem bundeseigenen Grundstück dar und konnte erhalten werden. In seinen heutigen Ausmaßen und vor allem in seiner Anlage als Kunstwerk mit historischen Skulpturen und Bauten wurde der Garten in der Meiji-Zeit (1868-1912) angelegt und bis in die Jahre nach dem 1. Weltkrieg weiterentwickelt. Ein Rundgang erweist sich dabei als eine Zeitreise durch die Kulturgeschichte des japanischen Nordens: neben einem Samurai-Tor finden sich unter anderem ein Teehaus aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, ein Glockenturm von 1703 sowie in Stein gehauene Symbolfiguren – sogenannte "Wächter" – des Konfuzianismus.

Die umlaufende Vertiefung der Gartenterrasse belichtet und belüftet auch die nachrangigen Räume auf natürliche Weise. Das Gestaltungs- und Farbkonzept orientiert sich an den verwendeten Materialien und wird geprägt durch weiße Putzflächen, grauen Muschelkalk, Sichtbeton, Glas sowie Stahlgeländer- und Brüstungen. Die Ehrlichkeit dem Material gegenüber verbunden mit der überall spürbaren Einbeziehung des umgebenden Botschaftsgartens ist wesentlicher Bestandteil des Neubaus. Die Leichtigkeit und Offenheit des Inneren findet ihre Entsprechung in einer gut proportionierten Fassade. Sie ist großflächig verglast. Ein schlichtes, transparentes und schönes Haus, das in seiner Haltung und Gestik, in seiner Offenheit und Weite, einer Botschaft Deutschlands sehr gut entspricht.

Der Neubau war notwendig geworden, nachdem die japanischen Baubehörden im Nachgang zu dem verheerenden Erdbeben von Kobe 1995 die Bauvorschriften geändert hatten. Selbst moderne, bislang als sicher angesehene Gebäude hatten starke Schäden davongetragen. Japanische und deutsche Gutachter stellten nach aufwändigen Untersuchungen zur Erdbebenwiderstandsfähigkeit fest, dass das Kanzleigebäudes aus dem Jahre 1959 auch nicht mehr den aktuellen Anforderungen an den Erdbebenschutz – und in Verbindung damit auch den Brandschutz – entsprach. Es galt dem Umstand Rechnung zu tragen, das die Botschaft in einer tektonisch unruhigen Zone mit über 60 aktiven und weitern 200 ausbruchsverdächtigen Vulkanen liegt. Darüber hinaus weisen langjährige Statistiken jährlich rund 1.450 leichte Erdbeben pro Jahr aus, zu denen alle sechs bis sieben Jahre schwere Beben hinzukommen.

Im Jahr 2003 erfolgte deshalb der Abbruch des alten Kanzleigebäudes. Der Baustart für den Neubau erfolgte im Januar 2004. Die Botschaftsmitarbeiter wurden während der Baumaßnahme in einem temporär errichteten Gebäude untergebracht.

Diese Seite

© Copyright by BBR. Alle Rechte vorbehalten.