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Ergebnis des Generalplanerwettbewerbs

Der Generalplanerwettbewerb "Deutsche Botschaft Nikosia/Zypern - Neubau eines Kanzleigebäudes" wurde am 11. Februar 2010 entschieden:

1. Preis
huber staudt architekten bda mit Architekturbüro André Janka, Berlin
CRP Bauingenieure, Berlin
Domann Beratende Ingenieure GmbH, Berlin

2. Preis
Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin
ahw Ingenieure GmbH, Berlin
kmp Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin

Anerkennung
Kuehn Malvezzi GmbH, Berlin
Krone Ingenieurbüro GmbH, Berlin        
Dresdner Ökotherm GmbH, Dresden



Verfahren

Der Wettbewerb zum Neubau der Deutschen Botschaft Nikosia wurde als Generalplanerwettbewerb nach RPW 2008 ausgelobt. Das Verfahren ist anonym.

Die Bekanntmachung erfolgte im Supplement zum Amtsblatt der Europäischen Union am 26.05.2009 unter der Nummer 2009/S 99-143567. Aus 29 eingereichten Bewerbungen wurden 8 Generalplanerteams in der Auswahlsitzung am 23.07.2009 durch ein unabhängiges Gremium ausgewählt und zur Teilnahme am Wettbewerb aufgefordert.

Tag der Auslobung war der 8.10.2009.


Preisrichter

Fachpreisrichter 
Kirsten SchemelArchitektin
Angela WandeltArchitektin
Peter BreilArchitekt
Andreas SchulzIngenieur für Tragwerksplanung

 

Stellvertretende Fachpreisrichter

 
Titus BernhardArchitekt
Markus PfeilDipl.-Ing. (TU) Energie-, Anlagen- und Umwelttechnik

 

Preisrichter

 
Dr. Gottfried ZeitzDeutscher Botschafter in Nikosia
Wolfgang DoldInfrastrukturbeauftragter Auswärtiges Amt
Hans Joachim RunkelBBR, AL III

 

Sachverständige

 
Thomas Mücklich, Kathrin HeimannARCADIS Kostenplanung
Hartmut BrockelmannBundesamt für Bauwesen und Raumordnung, Referat A 2, Tragwerksplanung
Roland SchneiderBundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Referat III S 2, Energieplanung
Christos KtoridesLeiter des Department of Town Planning and Housing, Nikosia

 

Vorprüfung

 

 

Ulrike KurzArchitektin
Marc SteinmetzArchitekt
Katharina SchülerStudent



Ergebnis

Das Preisgericht beschloss unter dem Vorsitz von Frau Kirsten Schemel am 11. Febr. 2010 die oben genannte Preisverteilung. Die Empfehlung des Preisgerichts lautet, den ersten Preis mit der Realisierung zu beauftragen.


1. Preis [Unterlagen]

1. Preis huber staudt architekten bda mit Architekturbüro André Janka, Berlin Quelle: Michael Lindner, Berlin

1. Preis huber staudt architekten bda mit Architekturbüro André Janka, Berlin Quelle: Michael Lindner, Berlin

huber staudt architekten bda mit Architekturbüro André Janka, Berlin
CRP Bauingenieure, Berlin
Domann Beratende Ingenieure GmbH, Berlin


Beurteilung des Preisgerichts

Die Verfasser schlagen einen kompakten Baukörper vor, der als markanter Kubus ausgebildet wurde und sich in das Spannungsfeld der vorhandenen Gebäude sehr gut einfügt. Der daraus resultierende sparsame Umgang mit dem Grundstück lässt eine differenzierte Außenraumgestaltung offen, die neben den notwendigen Parkflächen einen Garten mit einer eigenen Atmosphäre ermöglicht. Die vorgeschlagene differenzierte Landschaftsgestaltung lässt einen poetischen Kanzleigarten erwarten. Die Stellplatzforderungen wurden nicht komplett erfüllt, die fehlenden Parkflächen (4) können ohne Störung des Gesamtkonzeptes realisiert werden.

Die Architektursprache wird bestimmt von schmalen Öffnungsschlitzen, die im Kontrast stehen zu großen zurückgesetzten Glasflächen. So können spannungsvolle Belichtungsverhältnisse im Innenraum entstehen. Die großen geschlossenen Fassadenflächen erhalten durch "versetzt geschichteten zypriotischen Sandstein mit poröser Oberfläche" eine feine Körnigkeit und einen ausdrucksstarken Ortsbezug.

Klar und übersichtlich sind die Funktionen im Inneren gegliedert und damit die Forderungen aus der Auslobung optimal umgesetzt. Das zeigt sich auch in der klaren Regelung des Zugangs zur Visastelle, die Sicherheitserfordernisse werden damit gut erfüllt. Durch die Anordnung der inneren Erschließung und der äußeren Loggien ergeben sich spannende Innenraumsituationen. Die Treppe ist nicht nur Erschließungselement sondern gestaltet den Raum. Für die Umsetzung des zweiten baulichen Rettungsweges ist jedoch der Nachweis noch zu erbringen. Überzeugend wird auch die Anordnung der öffentlichen Funktionsräume wie Besprechungsraum und Foyer im 1. Obergeschoss in Kombination mit Räumen des Botschafters und des Kanzlers bewertet.

Ein nachhaltiges Energiekonzept wurde plausibel umgesetzt und das Konzept ist in sich stimmig. Ob die Deckenflächen zur Kühllastabfuhr ausreichend und die Geothermie vor Ort umsetzbar ist (Erdbebensicherheit und geringe Erfahrungswerte), muss im Planungsfortgang geprüft werden. Der Fensterflächenanteil für einige Räume erscheint zu gering und muss überprüft werden. Das architektonische Konzept in Verbindung mit dem außenliegenden Sonnenschutz erscheint für den sommerlichen Wärmeschutz plausibel.

Der Entwurf wird durch eine solide Tragwerkskonstruktion unterstützt, die vorgeschlagene konventionelle Massivbauweise berücksichtigt im weitesten Sinne die Regeln der Erdbebensicherheit. Dem entgegen steht die Teilunterkellerung, die durch eine biegesteife Gründungsohle zu ersetzen wäre.

Die Arbeit überzeugt durch ein gutes Verhältnis von Hüllfläche zum BRIsowie einem sehr guten Verhältnis von Kosten zur Brutto-Grundlöche. Die bewerteten Herstellungskosten liegen innerhalb des vorgegebenen Budgets.

Insbesondere besticht die Arbeit durch ihre sinnhafte und komplexe Simplizität  in Bezug auf ihre ästhetische Erscheinung, ihr spannungsreiches Verhältnis zwischen Innen und Außen, und ihre klare Erfüllung der Funktionalität.  Das Projekt verspricht eine würdige Umsetzung  aller  Bauherrenwünsche an Funktion und Repräsentation.


2. Preis

2. Preis Léon Wohlhage Wernik Architekten, BerlinQuelle: Michael Lindner, Berlin

2. Preis Léon Wohlhage Wernik Architekten, BerlinQuelle: Michael Lindner, Berlin

Léon Wohlhage Wernik Architekten, Berlin
ahw Ingenieure GmbH, Berlin
kmp Ingenieurgesellschaft mbH, Berlin


Beurteilung des Preisgerichts

Im städtebaulichen Bereich reagieren die Verfassenden primär auf die örtliche Situation und den Zuschnitt der Parzelle und schaffen eine schlichte Figur mit der dreieckigen Form mit abgeschrägten Schenkeln.
Der Baukörper nähert sich an die nördliche Parzellengrenze an. Mit dem sich der Parzelle anlehnenden Eingangsgebäude und seiner diagonalen Einfahrt wird eine Eingangsgeste gewählt, die Bezug nimmt auf das Hauptgebäude und der Haupteingangssituation der Kanzlei. Sie entspricht einem gewissen Repräsentationsanspruch.
Durch die solitäre Freistellung wird der gesamte Umraum als „ Parken im Garten“ verstanden. Der viergeschossige Baukörper wird an allen Seiten gleichwertig von horizontalen Lamellen geprägt. Durch eine Differenzierung in Tiefe und Rhythmus reagiert die Lamellenfassade auf das südliche Klima. Größere Öffnungen bieten Ausblicke. Die Fassade umhüllt wie ein Kleid die unterschiedlichen inneren Funktionsräumlichkeiten. Die weiße Haltung der Lamellenfassade vermittelt einen freundlichen Ausdruck, der allerdings durch absehbare Verschmutzung klar eingeschränkt werden wird.

Die Trennung zwischen Kanzlei und Visabesucher ist schlüssig gelöst. Die Eingangsöffnung zur Kanzlei führt zu einem Innenhof, doch bleibt diese Geste folgenlos. Der andere Foyerbereich wirkt durch den vorgelagerten Saal eher dunkel und besitzt dadurch keine Aufenthaltsqualität. Der Mehrzwecksaal scheint ungünstig zugeschnitten. Der Aussenbezug dieses Saals wird nur optisch suggeriert, der Saal versperrt die öffnende Geste des Foyerbereichs. Der Treppenaufgang wirkt disproportional und hat keine Beziehung zur räumlich-vertikalen Anlage des Foyers. Ohne Nachrüstung ist der einzige Flucht- und Rettungsweg nicht gewährleistet. Der zweite fehlt gänzlich. Der Aufgang lässt repräsentativen Charakter nicht zuletzt zu den Räumen des Botschafters und des ständigen Vertreters im 3. Obergeschoß vermissen.

Ein ganzheitliches Energiekonzept ist formuliert. Die monolithische Außenwandkonstruktion erscheint für den Standort möglich und ist im weiteren Verlauf mittels dynamischer Gebäudesimulation zu prüfen.

Das TGA Konzept setzt auf Nachtkühlung mit Lüftungsanlagen, die große Luftmengen fördern. Dies wird aus klimatischen Gründen nicht wirkungsvoll sein. Ebenso erscheint ein Erdkanal auf dem begrenzten Grundstück nicht ventilierbar.
Im weiteren Planungsverlauf ist zu prüfen ob hierdurch eine ausreichende thermische Lastabfuhr möglich ist und ob durch wasserführende Systeme eine wirtschaftlichere, ökologischere Lösung gefunden werden kann.

Der Ansatz, feststehende Lamellen zur Verschattung einzusetzen, hat positive Aspekte, allerdings erscheint der Reinigungsaufwand für weiße Keramik-Lamellen an diesem Standort hoch. Eine dauerhaft effiziente Tageslichtlenkfunktion dieser Bauteile wäre zu prüfen.

Die Photovoltaik-Anlage ist positiv zu bewerten. Der Einsatz eines Ölkessels und statischer Heizflächen wird als nicht nachhaltig eingestuft, insbesondere im Zusammenhang mit der beschriebenen Kompressionskältemaschine.

Der Entwurf wird durch eine solide Tragwerkskonstruktion unterstützt und berücksichtigt auch weitgehend die technischen Regeln zur Erdbebensicherheit.

Die Arbeit beinhaltet kostenrelevante Planungsaspekte, insbesondere im Bereich der Außenfassaden (baulicher Sonnenschutz) Die bewerteten Herstellungskosten liegen 6 % über der Budgetvorgabe.

Insgesamt wirkt der Entwurf durch eine gewisse Expressivität nach außen, die leider keine Entsprechung im Innern einlöst.


Anerkennung

Kuehn Malvezzi GmbH, BerlinQuelle: Michael Lindner, Berlin

Kuehn Malvezzi GmbH, BerlinQuelle: Michael Lindner, Berlin

Kuehn Malvezzi GmbH, Berlin
Krone Ingenieurbüro GmbH, Berlin        
Dresdner Ökotherm GmbH, Dresden


Beurteilung des Preisgerichts

Der Verfasser schlägt einen ausgeprägt skulpturalen, monolithischen Baukörper vor, der sich vom Charakter introvertiert um ein zentrales Atrium entwickelt. Dieser zeichnet inj der Grundrissfigur im Wesentlichen den Verlauf der Grundstücksgrenzen nach und ist geprägt von sechs 2-geschossigen Loggien auf allen Seiten. Die Mehrzahl der Räume orientiert sich zu diesen Loggien, welche ergänzend zum Oberlicht auch der Belichtung des zentralen Atriums dienen. Insbesondere in Bezug auf den schon im Konzept angelegten Verzicht von jeglichen mechanischen und zusätzlichen Maßnahmen zum Sonnenschutz wird dieser nachhaltige Ansatz bei der Anordnung und Belichtung der Innenräume im Wesentlichen nicht eingelöst (undifferenziert behandelt).
Heller zypriotischer Sandstein als vorherrschendes Material wird als angemessen gewertet.

Gestus und Außenwirkung (Ausstrahlung) dieser Gebäudeplastik wird kontrovers diskutiert.

Außer der rigiden Anordnung der Stellplätze gibt es keine Aussagen zum Freiflächenkonzept.

Die äußere Erschließung, Kontrolle und alle sicherheitsrelevanten Belange sind hervorragend gelöst. Die ebenenweise immer gleiche innere Erschließung über Laubengänge führt zu einem hohen Verkehrsflächenanteil.

Planung und bauordnungsrechtliche Kriterien werden weitgehend erfüllt.

Das TGA Konzept setzt konsequent auf CO2 Reduktion, jedoch sind der hohe Wasserbedarf für Verdunstungskühlung und Absorptionskühlung in einem Wassermangelgebiet ökologisch zu hinterfragen. Die Energieerzeugung ist eine Kombination aus solarer Kühlung, Verdunstungskühlung, Wärmepumpe und PV-Kühlung und erscheint überzogen. Der Vorschlag der Nutzung solarer Kühlung als Spitzenkühlung erscheint ökonomisch und funktional in Bezug auf die Betriebssicherheit fragwürdig.

Konstruktiv zeugt die Arbeit von einem sehr gut durchgearbeiteten Entwurf, der ein hohes Maß an Erdbebensicherheit gewährleistet.

Die bewerteten Herstellungskosten dieser Arbeit liegen mit 8% über der Budgetvorgabe, insbesondere begründet mit dem durch das Atrium verursachte größeren Gebäudevolumen.

Die Eigenständigkeit und Kraft der Gebäudeplastik wird gewürdigt, findet aber keine Entsprechung in der Qualität der Einzelräume.

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