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Ehemalige Botschaft Istanbul - jetzt Deutsches Generalkonsulat

Ansicht von Nordwest. Foto 1999Ansicht von Nordwest. Foto 1999 Quelle: Friedrich Busam

ARCHITEKTHubert Goebbels (1834-1874)
und Albert Kortüm (1845-1921)
GRUNDSTÜCKSGRÖSSE8.234
HAUPTNUTZFLÄCHE4.233
GEBÄUDEVOLUMEN52.624
GESAMTKOSTEN2,21 Millionen RM
BAUBEGINN21.04.1874
FERTIGSTELLUNG01.12.1877
BAULEITUNGAuswärtiges Amt
Goebbels und Kortüm
EINRICHTUNGBotschafter Prinz Heinrich VII. Reuß
KUNST AM BAUBundesbaudirektion (1983-1989)

Erster Botschaftsneubau des 2. Reiches

Mit der Planung für das 1877 bezogene Botschaftsgebäude in Konstantinopel bot sich dem neu gegründeten Deutschen Reich erstmals die Gelegenheit einer Selbstdarstellung im Ausland. Der Königlich-Preußische Landbaumeister Hubert Goebbels hatte 1872, also unmittelbar nach der Reichsgründung, dieses in der Tradition preußischer Bauten stehende stattliche Botschaftshaus entworfen. Nach seinem Tod führte Regierungsbaumeister Alfred Kortüm den Bau aus Kostengründen in einer etwas vereinfachten Form weiter. In exponierter Lage oberhalb des Bosporus entstand ein blockhaft geschlossenes Gebäude. Es überragte damals mit seinen 22 Meter Höhe zur Straße und 27 Meter Höhe zum abfallenden Garten hin alle Nachbargebäude. Für die beiden obersten, das Gebäude prägenden Geschosse wählte man eine Fassade aus Backsteinmauerwerk. Auf Werksteinarbeiten musste aus Sparsamkeitsgründen verzichtet werden, so dass helle, meist nur in Stuck ausgeführte Bauschmuckelemente die Fassade zierten. Gerade die äußere Gestaltung wurde von den wechselnden Botschaftern, die jeweils als Stellvertreter des Kaisers in Konstantinopel residierten, als unangemessen empfunden, da die Verwendung von Backsteinen eine Nähe zu bürgerlichen Berliner Bautraditionen herstellte, von denen sich die damals noch ausschließlich dem Adelsstand angehörenden Botschafter distanzieren wollten. Großzügiger und etwas aristokratischer als die Straßenseite erscheint die zum Bosporus abfallende Gartenseite. Sie erinnert mit ihrem Portikus und der großen Freitreppe an italienische Villen.

Von den ursprünglichen Wohn- und Repräsentationsräumen aus kaiserlicher Zeit blieb wenig erhalten. Sogar die unbeliebte Backsteinfassade verschwand 1898 für lange Zeit unter Putz und einem weißem Anstrich. Von 1983 bis 1989 wurden unter der Leitung der Bundesbaudirektion umfangreiche Sanierungsarbeiten an dem inzwischen unter türkischem Denkmalschutz stehenden und als Generalkonsulat genutzten Gebäude vorgenommen. Hierbei erfuhr nach 90 Jahren auch die ursprüngliche Backsteinfassade eine Wiederherstellung. Seit der Verlegung der Regierung nach Ankara 1923 hatte das Gebäude einen bedeutenden Teil seiner Funktion verloren. Dennoch ist es bis heute wichtig, in Istanbul, der wirtschaftlichen und kulturellen Metropole der Türkei, mit dem Generalkonsulat angemessen vertreten zu sein. Außerdem konnte das Deutsche Archäologische Institut einige für ihre Bedürfnisse hergerichtete Räume in dem Gebäude beziehen.

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