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Botschaft in Eriwan / Armenien

Sicherungsmaßnahmen Deutsche Botschaft Eriwan

Erdbebensicherung, Brandschutz und Neubau eines Pförtnergebäudes mit Kfz-Schleuse.

Botschaft Eriwan Botschaft EriwanHaupteingang Quelle: BBR


ARCHITEKTArchitekturbüro Georgi, Chemnitz
BRUTTOGESCHOSSFLÄCHEcirca 1.595
NUTZFLÄCHEcirca 701
BAUBEGINNMai 2011
FERTIGSTELLUNGOktober 2013
BAUKOSTEN3.030.000 Euro
PROJEKTLEITUNGBundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat III A 3
FACHINGENIEURE

Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung
Referat III S 2

TRAGWERKSPLANUNGBüro Matthes, Chemnitz
PRÜFER TRAGWERKSPLANUNGMTM Ingenieure Düsseldorf
TECHN. GEBÄUDEAUSRÜSTUNGIngenieurbüro BBS, Chemnitz
BRANDSCHUTZBFT Cognos, Aachen

Der Standort der Deutschen Botschaft in Eriwan gehört weltweit zu einer der gefährdetsten Erdbebenregionen und wird nur von Standorten wie Taschkent, Aschgabat, Tokio oder San Franzisco übertroffen. Im Rahmen umfangreicher, weltweiter ingenieurtechnischer Untersuchungen zu aktuell bestehenden Gefährdungspotentialen in Bezug auf Erdbebensicherheit, stellte man fest, dass das Niveau der Erdbebensicherheit der Botschaft in Eriwan unter 25 Prozent lag. Somit bestand eine akute Gefährdungslage.

Daher wurde das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung 2006 mit der Erdbebenertüchtigung der Deutschen Botschaft in Eriwan beauftragt. Nach Durchführung eines VOF -Verfahrens wurde das Büro Georgi mit der Erstellung der Bauunterlage und nachfolgender Planung beauftragt. Nach Aufstellung der ES -Bau in 2007 und haushaltsrechtlicher Anerkennung Anfang 2008 erfolgte die Erstellung der EW -Bau. (Mit Planungsänderungen durch zusätzliche Nutzerwünsche.)

Die Planung hatte den Schwerpunkt der Herstellung der Erdbebensicherheit des Kanzleigebäudes und Verbesserung des Sicherheitskonzeptes durch Umsetzung von Brandschutzmaßnahmen und durch den Neubau des Pförtnergebäudes mit Kfz -Schleuse. Eine Besonderheit war die Erfordernis die Baumaßnahmen im laufenden Botschaftsbetrieb durchzuführen, da keine alternative Unterbringung zur Verfügung stand. Lediglich die Visastelle wurde in ein Nachbargebäude für die Dauer der Baumaßnahmen umgezogen.

Dies stellte für die Planer - insbesondere die Tragwerksplaner - eine große Herausforderung dar. Im nächsten Planungsschritt erfolgten umfangreiche Baugrund- und Gründungsuntersuchungen, sowie Untersuchungen zum Tragverhalten der bestehenden Fassade und der Bestandsdecken.
Das Konzept der Ertüchtigung basiert darauf, dass vor der bestehenden Gebäudewand eine 15 cm starke Stahlbetonhülle mit hochduktilem Bewehrungsstahl errichtet wurde und diese Hülle dann mit den Fundamenten sowie mit allen Bestandsdecken durch Einbringen von Bewehrungsstählen verankert wurde.
Für die Um- und Neubauabreiten musste eine komplette armenische Genehmigungsplanung mit Hilfe eines armenischen Partnerbüros erstellt und bei den örtlichen Behörden eingereicht werden. Die Baugenehmigung wurde im April 2011 erteilt. Baubeginn des Aushubs war April 2011. Aus statischen Gründen konnten die Fundamenterweiterungen nur in jeweils 3 Etappen auf jeder Gebäudeseite durchgeführt werden.

Ertüchtigungsschale ErtüchtigungsschaleErtüchtigungsschale Quelle: BBR

Im nächsten Bauabschnitt wurde jede Gebäudeseite zunächst geschosshoch bewehrt und dann betoniert. In jeder Geschossdecke wurden im Durchschnitt 120 Bewehrungsstähle schräg in die Bestandsdecken auf einer Länge von 2,30 Meter hineingebohrt und eingeklebt. Diese wurden dann mit der Bewehrung der aufsteigenden Gebäudehülle verbunden und einbetoniert.

Bohrung für Bewehrungsschale Bohrung BewehrungBohrung für Bewehrungsschale Quelle: BBR

Die in Abschnitten durchgeführte Bauweise, die örtliche Bauabwicklung (z.B. wurden alle Bewehrungsstäbe von Hand gebogen) sowie die Erfordernis der erforderlichen besonderen Bauüberwachung der Baustelle zur Qualitätssicherung (B2 Baustelle) führten zu einer längeren Bauphase als geplant. Es waren umfangreiche baubegleitende Materialuntersuchungen des Stahls als auch des Betons erforderlich, um die tatsächlich berechneten Sicherheitsfaktoren zur Erlangung der Erdbebensicherheit nachweisen zu können.

Betonschale BetonschaleBetonschale Quelle: BBR

Bei der Lokalisierung der Bestandsdecken stellte sich heraus, dass die Decke über dem 2. Obergeschoss, entgegen der vorliegenden Bestandspläne nur 7 cm stark ist, wodurch eine Verankerung der Stahlbetonhülle nicht möglich war. Um dieses Defizit zu heilen, wurde die bestehende Dachkonstruktion geöffnet und auf den zu betonierenden Überzügen auf den tragenden Außen- und Innenwänden ein Stahlraumtragwerk in das Dachgeschoss eingebracht.

Insgesamt wurden für die Ertüchtigungsschale 1480 Tonnen Stahl verbaut. Weitere 13 Tonnen wurden im Dachgeschoss, 10 Tonnen für diverse Stützwände und ca.12 Tonnen für die straßenseitige Außeneinfriedung verbaut.

Die Fassade erhielt aus Wärmeschutzgründen ein WDVS System. Der sonst übliche Tuffstein konnte aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften und recht inhomogenen Zusammensetzung nicht wieder als Fassadenverkleidung eingesetzt werden. Um jedoch das wesentliche farbliche Erscheinungsbild wieder herzustellen, wurde ein Putzsystem mit sandsteinfarbenem Bewurf verwendet.

Das Erscheinungsbild wirkt nun homogen und modern. Alle wesentlichen äußeren Gestaltungselemente der Fassade, wie das Gesims, wurden erhalten.

Pförtnergebäude mit Personenschleuse Pförtnergebäude mit PersonenschleusePförtnergebäude mit Personenschleuse Quelle: BBR

Der neue Baukörper des Pförtnergebäudes, welcher aufgrund der Höhenentwicklung auf dem Grundstück auf Höhe des Kellergeschosses liegt, bildet nun den zentralen Eingangspunkt für Botschafts- wie auch Visabesucher.

Treppenaufgang zur Kanzlei Treppenaufgang zur KanzleiTreppenaufgang zur Kanzlei Quelle: BBR

Von dem Eingangsdrehtor gelangt man durch die Schleuse nach links über eine Treppenanlage zum Haupteingang der Botschaft und geradeaus zum Wartebereich der Visabesucher.

Visa Wartebereich Visa WartebereichVisa Wartebereich Quelle: BBR

Der Vorplatz der Kanzlei wurde so umgestaltet, dass hier ein Platz für kleinere Empfänge und Begrüßungen möglich sind.

Die Bauübergabe und offizielle Wiedereröffnung erfolgt im Oktober 2013. Es fand eine Einweihungsfeier mit dem Armenischen Außenminister und dem zurzeit amtierenden Botschafter statt.

Armenischer Außenminister mit dem Deutschen Botschafter BauübergabeArmenischer Außenminister mit dem Deutschen Botschafter Quelle: BBR

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