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Botschaft in Ankara

Botschaft Ankara

ARCHITEKT

Reichsbauverwaltung

Regierungsbaurat Listmann und Botschafter Rudolf Nadolny

WETTBEWERB-
GRUNDSTÜCKSGRÖSSE57.509
HAUPTNUTZFLÄCHE8.571
GEBÄUDEVOLUMEN37.235
BAUAUSFÜHRUNGPhilipp Holzmann AG
BAUBEGINNFrühjahr 1927
FERTIGSTELLUNGHerbst 1928

Vorbild: Preußisches Landhaus

Einen entscheidenden Einfluss auf die Planungen für eine Botschaft in Ankara, die nach der Verlegung der Hauptstadt der Türkei von Istanbul ins Landesinnere 1923 notwendig wurden, gewann ein Fachfremder. Botschafter Rudolf Nadolny gab als Muster für die zu errichtenden Kanzlei- und Dienstwohnungsgebäude den Typus des preußischen Landhauses vor. Insbesondere das Gut Neudeck, dem als Besitz des Reichspräsidenten Hindenburg besondere Bedeutung beigemessen wurde, war der Planung zugrunde zu legen. Die damalige Ministerialbürokratie empfand dies als nicht ungewöhnlich, da man die durch Sparsamkeit, Einfachheit, Strenge, Zurückhaltung und Bodenständigkeit geprägte preußische Herrenhausarchitektur als zeitgemäß ansah. Dieser von jeglichen Architekturströmungen der 20er Jahre losgelöste Komplex entsprach also dem gesellschaftspolitischen Denken der deutschen Diplomaten, die immer noch aus den Machteliten der Vorkriegszeit gestellt wurden. Aus der Reichsbauverwaltung, die zum Ressort des Reichsfinanzministeriums gehörte, kamen keine neuen Bauimpulse, so dass die Republik sich mit einem baugeschichtlich weit in das 19. Jahrhundert gehörenden Bautypus repräsentierte. Eine zentrale Baubehörde, die als Korrektiv hätte wirken können, ist erst 1930 mit der Reichsbaudirektion geschaffen worden.

Das Erdgeschoss des höher gelegenen Kanzleigebäudes wurde als Büroraum genutzt. Im Obergeschoss sollte bis zum damals vorgesehenen Neubau einer Residenz der Botschafter seine Wohnung beziehen. Die Häuser, die das Kanzleigebäude links und rechts flankieren, waren als Wohnungen für mittlere Beamte vorgesehen. Ein weiteres, etwas abseits gelegenes Haus entstand für höhere Beamte. Das Einfahrtstor zum Innenhof wurde durch zwei einander gegenüberstehenden Pförtnerhäusern herausgehoben, die jeweils von einem Portikus mit mächtigem Dreiecksgiebel geprägt werden. Zum beabsichtigten Bau einer Residenz kam es nie, obwohl noch 1937 vom Auswärtigen Amt, vertreten durch die Reichsbaudirektion Berlin, ein beschränkter Wettbewerb hierfür ausgeschrieben wurde. Nach der Beurteilung Hitlers, der über die größeren Bauunternehmungen stets persönlich richtete, ging Konstanty Gutschow als Sieger hervor. Der Kriegsausbruch verhinderte jedoch die Realisierung des Entwurfes. Heute residiert der deutsche Botschafter in dem Teil des alten Gebäudeensembles, der ursprünglich für höhere Beamte vorgesehen war.

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