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Pergamonmuseum: Baustelle mit besonderen Herausforderungen

Bei Tiefbauarbeiten auf historische Pumpenhäuser gestoßen – Fertigstellung des Bauabschnittes A für 2023 geplant

Ausgabejahr 2016
Datum 10.11.2016

Berlin. Nach Abschluss wichtiger Tiefbaumaßnahmen haben die Arbeiten an der Grundinstandsetzung des Pergamonmuseums auf der Berliner Museumsinsel eine maßgebliche und kritische Etappe überwunden, die von großen Herausforderungen und auch verschiedenen massiven Störungen geprägt war. Damit ist nach dreieinhalb Jahren Bauzeit des auf mehr als zwei Jahrzehnte angelegten Großunternehmens ein Zwischenstand erreicht, der erstmals eine valide Gesamtprognose zu Bauzeit und Kosten des ersten Bauabschnittes erlaubt. Unter Berücksichtigung der einzigartigen Komplexität der Baumaßnahme ist die Fertigstellung des zentralen ersten Bauabschnittes für 2023 geplant; ursprünglich war diese für das Jahr 2021 vorgesehen.

Abdeckung des Pergamonaltars und Einbau der Steckträger Abdeckung des Pergamonaltars und Einbau der SteckträgerAbdeckung des Pergamonaltars und Einbau der Steckträger im Pergamonsaal Quelle: BBR/ Fotograf: Peter Thieme

Das Pergamonmuseum ist Herzstück der als Weltkulturerbe geschützten Berliner Museumsinsel und wird – mehr als 80 Jahre nach seiner Eröffnung und späterer massiver Beschädigung im Zweiten Weltkrieg – erstmals einer Generalsanierung unterzogen, die auch die Ergänzung um drei Neubauten vorsieht. Die langwierigen Baumaßnahmen zur Grundinstandsetzung und Ergänzung werden in zwei Bauabschnitten durchgeführt, so dass nicht das gesamte Pergamonmuseum über viele Jahre geschlossen werden muss, sondern ein Teil des Hauses für die Besucher geöffnet bleibt.

Baubetrieb "auf Zehenspitzen"

Diese Grundinstandsetzung mit Erweiterung geschieht unter Rahmenbedingungen, die mit keiner anderen Großbaustelle der Museumsinsel vergleichbar sind und besondere Schwierigkeiten darstellen. Der Baustellenbetrieb ist gekennzeichnet von großer Enge mit entsprechenden logistischen Herausforderungen, von der Gleichzeitigkeit von Sanierung, Erhalt und Neubau, ebenso vom Nebeneinander von Baubetrieb und für Besucher geöffnetem Museumsbetrieb. Darüber hinaus verlangen die aus konservatorischen Gründen im Inneren verbliebenen antiken Großarchitekturen des Pergamonsaals und des hellenistischen Saals einen akribisch überwachten, nahezu erschütterungsfreien Baubetrieb gleichsam „auf Zehenspitzen“. Häufig mussten deshalb die Arbeiten unterbrochen und in einigen Fällen auch komplett umgeplant werden.

Historische Überraschungen im Untergrund

Massive Störungen zu bewältigen waren zuletzt besonders beim Spezialtiefbau. Da das historische Gebäude wegen der schwierigen Untergrundsituation der Museumsinsel einst nicht auf tragende Schichten gegründet werden konnte, musste nun nachträglich mit mehr als 700 sogenannten Mikropfählen in Tiefen zwischen 10 und 30 Metern neu gegründet werden. Hierbei stieß man auf Bauhindernisse von besonderer Dimension: Erbohrt wurden die Umrisse von zwei komplett im Baugrund verbliebenen Pumpenhäusern aus der Errichtungszeit des Pergamonmuseums. Diese hatten damals die Baugrube von Grundwasser geleert, wurden aber nach dem Bau nicht vollständig abgebaut. In den Bestandsdokumentationen hatte es keine Hinweise auf diese Hindernisse gegeben. Auf ausgedehnte Voruntersuchungen des Baugrundes durch Rammbohrungen war vor Beginn der Sanierungsarbeiten aus Rücksicht auf den laufenden Museumsbetrieb verzichtet worden.

Verzögert wurde der Baufortschritt außerdem durch eine mangelbehaftete beziehungsweise fehlende Ausführungsplanung für die Gewerke der technischen Gebäudeausrüstung. Dem damit beauftragten Fachplanungsbüro gelang es trotz permanenter Gespräche zu Termintreue und Qualität nicht, die Leistungen termingerecht und in der nötigen Qualität zu erbringen, so dass das Büro schließlich im Herbst 2015 gekündigt und die Aufträge neu vergeben werden mussten.

Termin- und Kostenplanung aktualisiert

Aufgrund der Störungen im Planungs- und Bauablauf, die nicht auf veränderten Nutzeranforderungen beruhen, ergibt sich eine deutliche Verlängerung der Bauzeit mit einer nunmehr geplanten Fertigstellung des Bauabschnitts A Mitte 2023. Die ursprüngliche Terminplanung sah eine Baufertigstellung des Bauabschnitts A im März 2021 vor, zwischenzeitlich war sogar eine Verkürzungsmöglichkeit auf 2019 angedacht. Aufgrund der bisherigen Erfahrungen sind für die Ausnahme-Baustelle Pergamonmuseum mit ihren erschwerten Rahmenbedingungen weitere Terminrisiken nicht auszuschließen.

Die Störungen inklusive der zeitlichen Verzögerungen bedingen zwangsläufig Mehrkosten. Die Mehrkosten aufgrund von Störungen im Planungs- und Bauablauf (vor allem Gründung/ Fund des Pumpenhauses, technische Gebäudeausrüstung und Folgekosten) betragen nach aktuellem Stand 80,3 Millionen Euro.

Die Gesamtkosten des Bauabschnitts A, der den gesamten Nordflügel, den Mittelbau mit dem Pergamonsaal und dem Hellenistischen Saal sowie den Neubau des Tempiettos umfasst, wurden aktuell mit 477 Millionen Euro inklusive Risikovorsorge ermittelt.

Allgemeine Baukostensteigerung wird fortschrieben

Unabhängig davon muss auch die allgemeine Baukostensteigerung für die bisherige Projektlaufzeit des Bauabschnitts A (2007-2016) eingepreist werden. Diese Fortschreibung beläuft sich auf 57 Millionen Euro. Für die Zukunft wird nur eine geringe weitere Steigerung prognostiziert (1 Million Euro), da die meisten noch ausstehenden Leistungen bereits beauftragt sind.

Diese Steigerungen sind zwar Alltag auf deutschen Baustellen, können aber bislang nicht von vornherein im Haushalt abgebildet werden. Das Bundesbauministerium setzt sich darum dafür ein, dass die allgemeinen Baukostensteigerungen bei künftigen Bauprojekten von Anfang an realistisch im Haushalt dargestellt werden dürfen.

Neue Risikovorsorge veranschlagt

Erstmals ist bei diesem Bauprojekt im Sinne des Reformprogramms Bundesbau auch beabsichtigt, nunmehr auch Risiken für den weiteren Bauverlauf zu bewerten und als Risikovorsorge zu veranschlagen. So sieht das Reformprogramm des Bundesbauministeriums für mehr Kosten- und Terminsicherheit bei größeren Bauvorhaben des Bundes eine frühzeitige Erfassung und angemessene Mitveranschlagung einer Risikovorsorge vor. Aufgrund der langen Projektlaufzeit und unter Berücksichtigung der außergewöhnlichen Komplexität der Baumaßnahme wurde die Risikovorsorge für die noch verbleibende Bauzeit insgesamt mit circa 45 Millionen Euro veranschlagt.

Nur unter der Voraussetzung, dass sämtliche veranschlagten Risiken eintreten würden, ist für den Bauabschnitt A mit Gesamtkosten von etwa 477 Millionen Euro zu rechnen.

Gesamtkonzept mit Neubauten

Die Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums um einen neuen vierten Flügel, einen neuen Eingang als sogenanntes Tempietto und eine unterirdische Archäologische Promenade erfolgt nach dem Entwurfskonzept des Architekten Oswald Mathias Ungers, das er bereits im Rahmen des Wettbewerbs zum Pergamonmuseum im Jahr 2000 skizziert hatte. Seit Ungers‘ Tod 2007 wird die Planung von Architektenseite umgesetzt durch die Werkgemeinschaft Pergamonmuseum, bestehend aus den Büros Kleihues + Kleihues Gesellschaft von Architekten mbH, Prof. Walter A. Noebel († 2012) und BAL Bauplanungs und Steuerungs GmbH.

Neben der erstmals umfassenden Grundinstandsetzung des Gebäudes ist die Ausstattung des Museums mit zeitgemäßer Gebäudetechnik unabdingbar. Das künftige Museum muss zeitgemäße Ausstellungskonzeptionen ermöglichen, die den Erwartungen der Besucher von heute und morgen gerecht werden. Deshalb werden permanente Fortschreibungen dieser langwierigen Baumaßnahme in der Planung, zum Stand der Technik und zum Stand der Museumswissenschaft nötig sein.

Transparenz des Baugeschehens

Das Projekt wird noch viele Jahre in Anspruch nehmen. Umso wichtiger wird es, der interessierten Öffentlichkeit regelmäßige Informationen über den Baufortschritt zu geben; hierzu sind auch Baustellenrundgänge vorgesehen.

Zahlen zur Baustelle Pergamonmuseum

  • 700 Tonnen Stahl für sogenannte Baubehelfe (Gerüste, Windböcke, Stützkonstruktionen)
  • 7.000 Quadratmeter Wetterschutzdächer
  • 5.300 Quadratmeter Glasdächer
  • 2.500 Quadratmeter Lichtdecken
  • 730 Mikropfähle, die aneinandergelegt 14 Kilometer ergeben würden
  • 50 Hochbaugewerke
  • 15 Gewerke der Technischen Gebäudeausrüstung
  • 20 Planungsbüros
  • 15 Gutachter und Sachverständige

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